Donnerstag, 23. Dezember 2010

Zweifel. Hoffnung. Planung

Schwierig. Schwierig.
Nach so vielen Problemen, soviel Arbeit, soviel notwendiger Hilfe durch andere. Jetzt plötzlich scheint alles zu laufen?
Es ist wieder einmal so eine Situation, wo man es nicht glauben kann. Eine Lösung eines Problems ohne irgendein spektakuläres Ende. Ohne einem Riesen Akt der Anstrengung. Einfach so abgeschlossen.
Heute ab 1000 war ich wieder bei Francisco. Wir haben uns noch meine Seitenwagenbremse angeschaut, die manchmal erbärmlich quietscht. Aber auch seine Untersuchung hat nichts ergeben. Alles unauffällig. Das Rad läuft vielleicht etwas unrund – die Bremse schleift ein bißchen. Aber das war´s. Auch ihm fällt nichts wirklich auf. Noch kurz mal die etwas verzogene Bremsscheibe zurechtgeklopft und dann den Reifen wieder drauf montiert.
Nachdem das Profil schon absolut total abgefahren ist – Profiltiefe 0,4mm  ;-)   - beschließe ich mir einen neuen Reifen zu gönnen. (Daß dieser gebrauchte Reifen in so einem Zustand von meinem Gespannbauer raufmontiert wurde, daß ich mir bereits nach nicht mal 5000km einen neuen kaufen muß, erwähne ich nicht besonders.)
Tja. Aber das finden von einem passenden Reifen in der Dimension 155 R15 ist hier schwieriger als eine passende Zündspule und eine Zündsteuergerät aufzutreiben. Nach zwei Geschäften, die Francisco und mir die Info geben, daß es hier in dieser Gegend so eine Dimension nicht gibt – bestenfalls in Trelew ca. 60km entfernt – geben wir die Suche auf. Fahren wieder zu Dany Motos, Franciscos Werkstatt zurück, und bauen das Motorrad vollständig zusammen.
Dann das bei Francisco eingelagerte Gepäck aufgeladen und versuchsweise noch mal den Motor gestartet.
Alles funktioniert einwandfrei.
Und vom Klang her auch ohne Auffälligkeiten. Keine Fehlzündungen. Keine Probleme mit dem Starten. Alles so wie ich es mir erhoffen würde.
Francisco verlangte dann 1200 Pesos (240€) für seine 2 Tage Arbeit – inklusive der (gebrauchten) Zündspule aus einer alten Yamaha, die er herumstehen hatte und die er ja jetzt neu bestellen mußte (Neupreis dafür 210 Pesos +20% Mehrwertsteuer). Aber er hat mir die Wahl gelassen entweder bis kommenden Freitag zu warten, bis die neue da ist, oder mit der alten einfach weiterzufahren.
Mir gefällt Francisco. Ich schätze seine philosophische Art seine Arbeit zu machen. Irgendwie frei übersetzt in dem Motto – Don´t Worry, be happy! Und wenn wieder ein Problem auftritt, dann löse es dann.
Fällt mir sehr schwer nach 3 Wochen Hardcore Stress mit dem Motorrad. Aber ich merke, daß ich langsam auch diese südamerikanische Relaxtheit aneigne gemäß „Irgendwie geht´s immer weiter. Die einzige Unbekannt hierbei ist nur das wann!…"
Ich habe mich auch sehr über die Nachricht von Ekki gefreut. Einem mir total unbekannten aus einem Forum, der mir sofort den Transport von ein paar Ersatzteilen organisiert hätte. Ein paar Bekannte fliegen gerade nach Uruguay und denen hätte er mir die Teile mitgegeben. Sowas finde ich echt klasse.
Generell was ich ihn den letzten Tagen an Hilfsbereitschaft von unbekannten Leuten erlebt habe, hat mich sehr beeindruckt.
So verrückt es klingt – aber irgendwie bin ich Mr. Churchill beinahe dankbar für diese ganzen Erfahrungen und dadurch Bekanntschaften. Sowas prägt schon…

Dann bin ich wieder in mein Hostal zurück. Mr. C. wieder von den ganzen Sachen befreit, im Locker Room des Hostals die Camping Sachen eingelagert, dann Mittagessen gegangen – war schon total ausgehungert – und jetzt noch ein paar Nachrichten bearbeiten, die ich noch erledigen muß.
Ich warte ja noch auf Freischaltung meiner VISA Karte durch Comdirect. Ich hatte da den Code mehrmals falsch eingegeben und da mußte ich erst über das sichere Portal eine Freischaltung durchführen – das Email mit dieser Bitte von mir hat nicht gereicht.
In Vorbereitung für die Bezahlung von Francisco habe ich gestern noch mit meiner österreichischen EC-Karte Geld abgehoben – zweimal 900 Pesos (180€). Mehr geht nicht. Dafür wurden mir auch jeweils 1,5% Gebühren von der österreichischen Bank Austria und 16 Pesos (3,2€) von der argentinischen Bank draufgeschlagen…
Aber gut, daß ich das gestern abends noch gemacht habe. Heute waren die Schlangen wieder elends lang. Dadurch, daß man nur so kleine Beträge abheben kann, müssen die Leute sehr oft zur Bank. Und heute warteten ca. 20 Leute wieder vor der Bank. Etwas, was man sich in Österreich gar nicht mehr so richtig vorstellen kann…
Die Inflation ist hier gigantisch. Wenn man sich von der Bank Geld ausborgen will, muß man in 2 Jahren den doppelten Betrag zurückzahlen, meinte Francisco. Heftig.
Ach – was ich noch gar nicht erwähnt habe. Die Klobrillen hier sind einzigartig! Das sind relativ weiche Plastikbrillen, die mit Luft gefüllt sind. Also richtige Luftkissen. Anfangs sehr gewöhnungsbedürftig. Nach einer Eingewöhnungszeit allerdings sehnt man sich richtig nach einer Zeitung…

Tja. Also nachdem langsam eine gewisse Hoffnung aufkommt, daß Mr.C. Probleme zu Problemchen wurde stellt sich ein bisserl die Frage wie´s weitergeht.
Es klingt vielleicht wieder etwas verrückt. Aber ich hab mich so an die Probleme von Mr.C. gewöhnt, daß mir ein bisserl diese Aufgabe abgeht. Ich bin noch gar nicht wirklich auf´s Reisen eingestellt. Bis jetzt war ich eher in einer Art Überlebensmodus – aber das genießen der Reise war für mich noch so unnatürlich weit entfernt.
Etwas strange. Beinahe ein bisserl ein Loch. So eine Art Pensionsschock.
..Verrückt. und jemanden anderen nicht wirklich erklärbar.

Anyway. Aber ich habe eh noch einige Sachen bei Mr. C. zu erledigen. Ich möchte die ganzen Ersatzteile, die ich mithabe intelligenter an Mr.C. befestigen, sodaß ich dann im Schadensfall besser darauf zugreifen kann. Klassiker sind solche Sachen wie Gaszüge und Bremszüge parallel zu den vorhandenen zu verlegen, sodaß wenn sie dann irgendwo in der Pampa dann reissen, man diese dann einfach umstecken kann und mit den parallel verlegten weiterfahren kann. Oder es stört mich auch, daß aus der Zuleitung von meinem Zusatztank in den Haupttank ein wenig Benzin austritt. Ist nur eine Kleinigkeit, stört mich halt. Und daß ich das Fahrzeug nach dem Umbau von Peter Römer nicht mehr durch den TÜV kriege, dagegen kann ich im Moment eh nichts machen. Muß ich halt so akzeptieren – ist eines der Probleme, derer ich mich dann widmen kann, wenn es soweit ist, daß ich in Österreich beim Pickerl stehe… First things first.
Ah ja. Weihnachten ist ja auch morgen. Wollte da auch noch was vorbereiten.

Mittwoch, 22. Dezember 2010

Freude schöner Götter-"FUNKEN"...

Man freut sich ja manchmal auch wirklich über Kleinigkeiten tierisch. Wie zum Beispiel einem Funken. Am richtigen Ort. Zur richtigen Zeit.

 

Und manchmal ist es so einfach. Einfacher als man es glauben könnte.

Die gesamte Mittagspause von Francisco - meinem persönlich frisch ausgebildeten BMW Elektronikspezialisten - im Internet verbracht, Wissen angeeignet über die Motorradelektrik, recherchiert und gelernt, Leute angeschrieben, rasche Antworten bearbeitet, elendslange Listen erstellt - welche Komponenten zu meinen kompatibel sind, eine geniale Checkliste im Internet gefunden, wie man den Fehler eingrenzen kann, im Internet einen automtischen Übersetzungsdienst gesucht um diese auf Spanisch übersetzen zu lassen, dann mit Francisco über den Fehler diskutiert. Er hat gemeint, daß dieses Zündsteuerungsmodul nicht funtioniert – nur woher kriegen?

 

Also zu einem Händler gefahren. Dieser hat uns weitergeschickt zu einem anderen.

Dort wollte ich schon ansetzen zu erklären, daß es ein Motorradgespann ist. Ein altes BOSCH Modul, welches es nicht mehr gibt. Wollte ihm schon die lange Liste an eventuell passenden Modulen zeigen.

Er meinte nur – gib her. Taucht unter den Tresen. Holt ein verstaubtes Buch heraus. Findet treffsicher die richtige Seite. Zeigt auf das identisch aussehende Modul. Verschwindet in den tiefen seiner Regale. Kommt eine Minute später zurück und meint „Das ist es“.

Gekauft. Zur Werkstatt zurückgefahren. Per Plug-And-Play angesteckt an der Stelle des alten Moduls.

…und alles funktioniert einwandfrei.

Und auf der Rückfahrt meinte ich noch zu Francisco – das gibt es nicht. Es ist zu einfach.

Er stimmte mir zu.

Irgendwie


Für solche Leute lohnt es sich zu reisen. Ich finde es schon echt klasse, wie manchmal Hilfe aus unerwarteten Ecken kommt. Leute, die man irgendwo mal kennengelernt hat, Dich mit einem gemeinsamen Photo anschreiben und Dir dann noch mal eine Hilfe anbieten. (Walter restauriert Motorrad Oldtimer in Viedma...) Wieder mal Hoffnung am Horizont. Ob es meine Probleme löst? Keine Ahnung... Aber ich finde diese Lektion des Lebens des "Irgendwie geht´s weiter" sehr klasse....

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From: Dr. Walter XXXXXX [mailto: xxxxxxxxxx]
Sent: Dienstag, 21. Dezember 2010 14:44
To: Dr. Philipe Reinisch
Subject: Re: Carburetor made in Viedma

Ohhhh que mala suerte !!!
Es probable que al calentarse la bobina presente la falla ...no tira chispa la bujia??
No se  a que te refirs con un "crack" si hace algun ruido o esta rajada???
La mayoria de las BM de esos modelos llevan Bosch , pero actualmente estan poniendo otros que no recuerdo la marca, de todas maneras creo que no vas a tener problemas reemplazando por cualquier bobina de 12 volts...
En lo que te pueda ayudar desde aqui , me escribes o este es mi telefono 02920-xxxxxxx
Un abrazo
walter
PD una lastima que no tengo mas tiempo porque estoy trabajando, en otro tiempo agarro mi Bm y me voy para alla a ayudarte me apasiona la mecanica y mas si puedo ayudar a otro piloto ...

Ohhhh that bad luck!!!
 It is probable that when the bobbin having warmed up he presents the fault ... does not spark throw the candlestick??
 I don't know that you refirs with a "crack" if it does some noise or this one crushed???
 The majority of the BMW of these models take Bosch, but nowadays putting others that I do not remember the brand, anyhow I believe that you are not going to have problems replacing for any bobbin of 12 volts...
 In what it could help you from here, you write to me or this one is my telephone 02920-xxxxxxx
 An embrace
 Walter
Pd A pity that I haven't got more time because I am working , in another time I take my Bm and going away for there, I like the mechanics and more if I can help another pilot

Dienstag, 21. Dezember 2010

Ich dachte mir, es geht nicht schlimmer...

...selbst ich irre mich manchmal.
Habe also mit sehr viel warten endlich geschafft mein Motorrad nach Puerto Madryn zu bringen. Endlich bei dem Mechaniker meiner Wahl angekommen.
Nach ein paar Stunden herumanalysieren, war seine Analyse klar. Dieses Motorrad gibt es vielleicht 20mal in ganz Argentinien. Im unveränderten Zustand. Mit den ganzen Modifikationen ist es einzigartig.
Summa Sumarum. Er hat keine Ahnung. (Ich finde es zeichnet ihn schon aus, daß er das so offen zugibt!)
Wenn kein Wunder geschieht, sieht er keine Möglichkeit das zum Laufen zu bringen.
Ich kann gerne jemanden anderen bringen, der in seiner Werkstatt das Motorrad repariert. Er kann es nicht.

Vorhin habe ich noch überlegt das Motorrad nach Europa zurück zu schicken und per Rucksack weiterzureisen. Aber nach dem zweiten Bier - Aufgeben tut man einen Brief!...

Hitze. Wallungen. Und Technik.

Wieder Tankstelle. Wieder Warten. Wieder heiß.

Ist ja alles ganz einfach. Gestern hat´s geheissen – einfach noch mal anrufen, wenn Sie neben dem Motorrad stehen. Eine Stunde später kommt dann der Wagen. Und Sie sind am Weg nach Puerto Madryn…

Praxis: Ich ruf da also um 07:00 an. Relativ unkompliziert erklär ich auf spanisch, daß ich gestern schon angerufen habe. Daß ich einen Transport meines Gespannes von Puerto Piramides nach Puerto Madryn benötige. Daß es ein Gespann ist und deswegen größer ist.

Alles kein Problem. Ein bisserl warten in der Warteschleife. Dann die Bestätigung – in zwei Stunden ist der Wagen da.

Glück gehabt. Alles geht sisch schön aus. Um 09:45 also kommt der Wagen. 1:30h Fahrzeit. Ergibt 11:15. Schön rechtzeitig vor der Mittagspause des Mechanikers um 12:30. Er kann sich alles noch schön anschauen und eventuell schon Teile bestellen, damit die möglichst bald da sind.

Ein Tiefer Erleichterungsseufzer macht sich aus den Tiefen meines Bauches den Weg in die Freiheit. Und ab in die Dusche – in meinem Zimmer hat es schon um 06:00 schon gefühlte 30 Grad hier…

Natürlich wie ich gerade eingeseift war läutet das Telephon. Der ACA ist dran. Ich benötige einen speziellen Wagen. Der ist frühestens in 3:00 verfügbar. D.h. Abfahrt frühestens um 11:00. Ui,ui… Adieu Zeitplan.

Naja.

Wenigstens gemütlich gefühstückt. Eingepackt. Und festgestellt, daß mein Guthaben meiner Wertkarte des Telephons aus ist.

Somit – Aufladebon suchen gehen. Einer der Lessons Learned für die Planung einer Suche nach irgendwas. Plane mindestens 3 Stellen ein, die es haben, errechne die Wegzeit für diese 3 Stellen (inklusive der Suche dessen) und voila – ergibt sich sie Zeit bis zum Erwerb desjenigen Artikels.

So war´s auch. Die ersten zwei Geschäft hatten selber! kein Guthaben mehr um für mich den Betrag aufzuladen – das geschieht elektronisch. Man muß da den Betrag und die Telephonnummer in ein spezielles Gerät eingeben.

Nach ein bisserl herumirren in der angehenden Mittagshitze war  aber auch das erledigt.

Nachdem ich noch einige Zeit bis zur Ankunft des Pannenwagens hatte habe ich auch schon meine Sachen wieder auf mein Motorrad gepackt. Das Hotel ist ca. 400m bergauf von der Servicestation entfernt. Ich merke, daß ich wirklich zuviel Gepäck mithabe. Eigentlich bin ich ja optimiert auf Camping mit Beiwagenmaschine. Nicht auf Zufuß Herumtragen. Es wird mir sehr bewußt, daß dies einen feinen Unterschied macht – die Mittagshitze trägt ihr übriges dazu bei.

Und somit sitze ich wieder bei der Tankstelle. Nutze die Zeit um kurz Tagebuch zu schreiben und Emails zu checken.

Somit ein bisserl Kontakt in die Heimat zu halten. Auch wenn ich doch einige nicht so schöne Nachrichten lese. Krankenhausbesuche von lieben Verwandten, bürokratische Probleme, die ich noch von der Ferne aus regeln muß.

Ach ja. Und Weihnachten ist ja auch irgendwann. Hab gehört davon – zumindest bringen sie hier im Fernsehen immer mehr Berichte über Verletzungen mit Feuerwerkskörpern. Hier wird ja Weihnachten besonders gefeiert – und Sylvester ist eher ruhiger. Träfe sich insofern recht gut, wenn ich da in einer größeren Stadt bin an dem Tag…

Und heute um 19:40 beginnt hier der Sommer. Ich frage mich nur, was sich da noch verändern soll. Noch mehr als 36,2C?

Wie ich so herumgestanden bin und mit den Leuten von der Tankstelle geplaudert habe, sagen sie mir, daß es weiter nördlich einen Ort gibt, der bis zu 48C bekommt. Und bis 31. Jänner soll´s noch heißer werden…

Diese Information beeinflußt meine Entscheidung doch in den Süden runter zu fahren…

Wobei ich ja vorsichtig bin mit der Aussage des Fahrens… Daumen halten wegen der Reparatur!

Montag, 20. Dezember 2010

Annahmen

Annahmen erleichtern das Leben. Sie reduzieren die Komplexität. Und ermöglichen somit das Erstellen von komplexen miteinander zusammenhängenden Aktivitäten.
Als Beispiel möge folgendes dienen.
Das Motorrad verreckt. Direkt vor einer Station des „Automovil Club Argentino“ oder kurz ACA in Puerto Piramides. Annahme: Glück gehabt.
Vor der Service Station steht ein Pannenfahrzeug, mit dem Fahrzeuge transportiert werden. Annahme: Sehr großes Glück gehabt.
In der Nachbarstadt, Puerto Madryn, gibt es eine Werkstatt, die zu vermuten läßt, daß dort das Fahrzeug repariert werden kann. Annahme: Beides kombinieren – ergibt Lösung des Problems.
Also somit in Puerto Madryn eine Werkstatt ausgesucht. Eine Unterkunft gesucht. Mit ACA vereinbart, daß ich die nochmal anrufe, damit sie mein Motorrad dorthin bringen.
Tja.
Das schöne an Annahmen ist – man sollte die auch immer überprüfen. Es könnte sonst sowas rauskommen wie: „Das Pannenfahrzeug hat derzeit keinen Motor. Wir erwarten den Ersatzmotor in ein paar Tagen aus Buenos Aires.“
Ich mein ich mag ja Herausforderungen. Aber ich befürchte heute brauch ich wieder Alkohol.

Somit sitz ich hier wieder in Puerto Piramides zurück halt bei der Servicestation und warte auf den großen Boss hier. Ich hoffe, der kann mir dann sagen, ob die auch ein Fahrzeug aus Puerto Madryn kommen lassen würden.
Zeit genug um eine Lektion über angewandtes Projektmanagement zu posten.

Jetzt weiß ich was mir beim Reisen so abgegangen ist: herumirren und was suchen - bei glühender Mittagshitze

Puerto Madryn ist eigentlich eine nette Stadt. Wie ich zuerst mit dem Bus hier angekommen bin hatte es des Charme einer russischen Kleinstadt – und zwar nach dem Atomunglück.
Aber wenn man etwas näher zum Zentrum sich aufhält ist es gar nicht mal so schlecht.
Ich bin heute herumgeirrt und habe versucht eine neue Zündspule aufzutreiben. Diese würde aber frühestens morgen Nachmittag hier sein. D.h. frühestens morgen abend würde ich wissen, ob´s wirklich daran lag, sofern ich dann überhaupt noch einen Bus nach Puerto Piramides zurück erwische und sie dann einbauen kann.
Somit habe ich mich entschieden die Luxusvariante zu nehmen. Mr. C mit dem ACA (dem argentinischen ÖAMTC) hierher bringen lassen, das Problem vor Ort von einem kundigen Mechaniker anschauen zu lassen und mir hier in dieser recht netten Stadt eine Unterkunft zu suchen.
Nach einigem herumirren habe ich endlich einen Schrauber gefunden, der so wissend wirkt, daß er das Problem analysieren könnte. Ich bin dann zurück zum Busbahnhof um den Transport zu organisieren – die billigere Taxi Flotte habe ich nicht gefunden, also beschlossen die teuerere ACA Version zu nehmen. Ich habe dann den ÖAMTC angerufen, ob sie mir den Kontakt herstellen – was sie nicht taten. Aber mir wenigstens mitteilten, daß sie meine Probleme sehr bedauern. Naja. Man freut sich ja manchmal auch über Kleinigkeiten.
Dann habe ich den ACA direkt angerufen. Nach 10min in der Warteschleife hat mir die Dame mitgeteilt, daß ich, eine Stunde bevor ich das Fahrzeug transportiert haben möchte, noch mal anrufen soll – wenn ich direkt neben dem Fahrzeug stehe.
Na gut. Also werde ich noch mal anrufen.
Dann schnell zur Werkstatt zurück – die Visitenkarte mit der Telefonnummer, die er mir gegeben hat war vom Vorbesitzer, der jetzt in einer anderen Stadt lebt.
Nachdem ich ja young, strong and healthy bin mache ich mich halt wieder in der Mittagshitze wieder auf um direkt in der Werkstatt vorzusprechen. Um 12:34 erreiche ich das Tor. Welches natürlich ab 12:30 zu ist. Eh kloa.
Die Zeit bis 15:00 nutzte ich dann wenigstens um mir eine Jugendherberge zu suchen. Das erste Angebot für ein Einzelzimmer ist 250 Pesos (ca. 50€). Na dann wird´s doch das Shared Dormitory um 58 Pesos (13€) Aber zuerst mal die Sachen aus Puerto Piramides holen. Sitze gerade (14:45) wieder im Terminal – zumindest im Schatten, auch wenn es keinen Unterschied macht.
Eigentlich wollte ich Emails checken. Aber klarerweise ist das WiFi hier gerade down. Somit übe ich mich wieder in offline schreiben.
Ich hoffe, daß ich heute noch Mr.C. hierher bekomme. Dann hoffe, ich wenigstens ein paar komfortable Tage hier zu verbringen. So mit Bett und so. Hat auch seinen Charme – wenn man schon die Ausrede hat liegengeblieben zu sein, dann kann man sich es ja gut gehen lassen… ;-)

Sonntag, 19. Dezember 2010

Falls ich mich je mal wieder für den spanischen Namen der Zündspule interessieren sollte: "Bobina de Encendido"

Ich habe schon Beschwerden wahr genommen, daß ich keine Photos mehr poste. Das will ich zumindest teilweise wieder gut machen. Ganz liebe Mitreisende haben mir gerade diese Photos geschickt. Und die kann ich doch niemanden vorenthalten.

 

Ich sitz hier gerade mit meiner Flasche Bier und plane meinen morgigen Tag. Und es bleibt bei einer Flasche. Versprochen!

Habe ich schon erwähnt,daß die hier das Bier in 1l Flaschen verkaufen. Ich mag das.

Heute bin ich ja liegen geblieben. Und da ist Alkohol doch ein Trostspender... :-)

(Obwohl eigentlich sollte ich mich ja langsam daran gewöhnt haben. Anyway.)

 

Ich habe heute meine Zündspule und mein Zündsteuergerät ausgebaut und werde morgen mein Glück in Puerto Madryl versuchen. Die Zündspule hat einen großen Sprung – ich vermute also, daß ich den Grund gefunden habe warum sie gerade akut nicht läuft. Vielleicht habe ich auch endlich den Grund gefunden, warum die ganzen Probleme waren. Daumen halten ist also angesagt.

Wenn ich jetzt auch endlich die Ursache gefunden hätte – spannend wird ja auch noch mal ein passendes Erstatzteil aufzutreiben. Morgen wird also wieder mal ein lustiger Tag.

Er startet um 07:45 mit einem Collectivo nach Puerto Madryl. Vamos a ver – oder auf Deutsch: Schau ma mal…

Manche Dinge passieren nur Sonntags

Tja. Also. Es könnte ja eigentlich alles sehr einfach sein. Aufsteigen. Losfahren. Die Freiheit genießen. Oder so ähnlich.

Habe gerade vollgetankt bei der Tankstelle hier im Ort in Puerto Piramides. Dann wie ich starten wollte, startete Mr.C. nicht.

Also ihn in den Schatten geschoben. Und mal den Zündfunken überprüft.

Der nicht kam.

Und dann hörte ich so ein Brutzeln aus dem Bereich über dem Motor – irgendwo wo auch die Zündspule ist.

Alles nicht so schlimm – ich hatte ja Julio kennengelernt. Den hiesigen Organisator des Motorradtreffes, Er fährt selber eine dicke Harley Davidson… Also Hoffnung.

Ihn angerufen und er kam auch bald. Also eh alles nicht so schlimm…

 

Naja. Wie sich herausstellte, steht seine Harley die ganze Zeit in der Garage, weil sie viel zu schade für den Schottereinsatz ist. Und er kennt sich mit Motorrädern genauso gut aus wie ich. Somit ergänzen wir uns wenigstens recht gut.

Er hat dann versucht ein paar Leute zu erwischen, die sich mit Fahrzeugelektrik auskennen. Klarerweise sind die alle im Wochenende. Und sein Kumpel, der mit ihm gemeinsam die Motorräder repariert ist natürlich auf Urlaub.

Anyway.

Also mich wieder einquartiert – diesmal in eine Posada um 16€ pro Tag. Geteiltes Zimmer, dafür aber mit Dusche und WC im Zimmer. Und Leute sind auch keine da. Also paßt.

Tja. Wegen Mr. C…. Keine Ahnung. Mal ein bisserl im Internet recherchieren. Ich vermute mal auf den ersten Blick, daß es die Zündspule ist. Jetzt esse ich mal was und werde mich danach ein bisserl mit dem Voltmeter herumspielen…

Weihnachten ist gecancelled - oder doch nicht?

Heute war ein Organisationstag. Meine Reiseroute weiterüberlegt. Dann mal schnell eine Walbootstour gemacht – welche wirklich beeindruckend war.

Wenn solche Säugetiere mit über 10m Länge da neben dem Boot liegen. Sprünge machen. Mit der Schwanzflosse wedeln – was sie aber nur machen, wenn sie abtauchen und verschwinden. Die Schwanzflosse sieht man dabei sehr selten. Das ist auch der Grund warum soviele Photographen ganz stolz so ein langweiliges Bild von einer Flosse zeigen und man sich immer gefragt hat was an einer Flosse so besonders ist, daß man es stolz groß aufhängen muß – man versteht es nur wenn man es einmal selbst gesehen hat…

Natürlich ist mir dann genau in der Sekunde wo zwei Wale regungslos keine 2m neben dem Boot liegen geblieben sind die Batterien ausgegangen. Klar, daß meine Zweitbatterie auch fast leer war.

Und heute durtfe ich auch das Wetter Sealing meiner Canon 5DII testen. Sie hat einen vollen Schwall Gischt abbekommen. Ich hoffe, daß das keine langfristigen Nachwirkungen hat bezüglich Korrosion…

Nach der spontan besuchten Tour habe ich mich in ein Kaffeehaus gesetzt und meine weitere Route weiterüberlegt.

Eine liebe Freundin hat sich angekündigt mich im Februar zu besuchen und ich habe da mal geschaut, wo wir uns da am besten treffen könnten. Das ist gar nicht mal einfach gerade in diesem Eck der Erde einen haltbaren Terminvorschlag mit Treffpunkt zu machen. Die sinnvollen Anreisepunkte aus Europa sind sehr weit voneinander entfernt und ich kann gar nicht einschätzen, wie lange ich wo bleiben werde bzw. wie lange ich dann für eine Route benötige. Die Distanzen hier sind halt einfach riesig. Ein Fingerbreit auf der Karte sind so 1 bis 4h Fahrt – wenn man Glück hat. Wenn man Pech hat kommt man zu irgendeiner Sperrung und muß dann 500 km Umweg machen.

Nachdem ich mir heute den Nachmittag den Kopf zerbrochen habe, wie ich meine Route gestalte habe ich beschlossen die Route etwas umzugestalten. Statt Weihnachten und Sylvester in Ushuaia zu verbringen, fahre ich morgen von Puerto Piramides nach Punta Clara zu der größten Pinguin Kolonie ausserhalb der Antarktis. Dann geht´s weiter nach Westen Richtung Esquel. Und von dort folge ich dann der Routa 7 Richtung Süden. Diese Strecke soll zu den  beeindruckensten Strecken von Südamerika gehören. Bin schon gespannt. Dann schlage ich mich langsam Richtung Ushuaia durch – natürlich die ganzen bekannten Sachen mitnehmend wie den Torres del Paine Nationalpark oder den Perito Moreno Gletscher.   Zurück soll´s dann mit der Fähre von Puerto Natales nach Puerto Montt gehen. Die Konequenz wäre aber, daß ich dann Weihnachten doch nicht in Ushuaia bin – sondern irgendwo halt. In Ushuaia gibt es sowas wie ein inoffizielles Treffen von Weltenbummlern. Es ist halt ein sehr beliebter Platz um die Feiertage zu verbringen.

Und wie ich das ganze so schreibe grüble ich gerade ob ich die Route nicht einfach umdrehe.

Mal schauen. Vielleicht bekomme ich ja durch Zufall noch einen Platz auf der Fähre von Puerto Montt nach Puerto Natales – auch wenn ich es nicht glaube. Es ist absolute Hochsaison und alles ist schon sehr gut besucht. Naja. Wir werden sehen.

 

Heute habe ich mich auch von Fred, meiner guten Seele verabschiedet. Auch wenn ich glaube, daß wir uns irgendwann mal wieder sehen hat´s mir sehr leid getan. Es ist mir schon ein bisserl ans Herz gewachsen.

Und als Reisepartner ist er wirklich genial – ich habe schon ein paar Mal das Kompliment bekommen, daß ich sehr angenehm zum Reisen sei – aber da habe ich meinen Großmeister gefunden.

Ich war dann heute etwas wehmütig und habe meine ganzen Freunde in Europa ziemlich vermißt. Aber ein bisserl Zelt aufgeräumt, Sachen endlich mal ausgepackt – unter anderem meine Helmkopfhörer eingebaut sodaß ich bei diesen langweiligen Geradeausfahrten endlich mal Musik hören kann – und mich dann wieder hübscher für die Welt gemacht. Neben meinen Nägeln, die daran glauben mußten, habe ich auch beschlossen meinen gepflegten 22 Tage Bart zu zivilisieren und habe meinen Barttrimmer hervorgekramt.

Nach einigen Versuchen welche die optimale Bartlänge ist, habe ich definiert es sind 3mm. Und es lag nicht daran, daß ich mich einmal bei der Längeneinstellung vertan habe und da versehentlich mit der kürzesten Einstellung  einen Teil geschnitten hatte.

Voila. Philipe ist fast ein neuer Mensch.

Faszinierend was so ein bisserl Oberflächenverändernung alles bewirken kann.

 

Sodale. Meine Augen werden auch schon etwas schwer. Und meine – wenn auch sehr sympathischen – argentinischen Zeltnachbarn haben gerade die Musik aus Ihrem Auto, welche den ganzen Abend bei voller Lautsärke an war, abgedreht. 22:24 ist also auch bei denen ein Zeitpunkt langsam schlafen zu gehen. Fein, wenn es da keine interkulturellen Unterschiede gibt.

 

Ach ja. Nachdem ich vorhin das versucht habe zu ändern: falls Ihr Euch wundert, warum ich soviele Typos mache: Windows 7 Ultimate in Kombination mit meiner Office Version hat dank dieser Lizenzgeschichten keine Möglichkeit mehr eine deutsche Rechtschreibprüfung durchzuführen. Schmarrn aber auch.

Freitag, 17. Dezember 2010

To do or not to do?

Wieder mal ein Bierchen. Wieder mal in der Kneipe da am Eck. Wieder mal Internet.
Und ich grüble noch immer. Meine Feinplanung der Route nimmt langsam Form an. Aber eine Frage, die mich beschäftig und wo ich noch keine Entscheidung getroffen habe.
Soll ich einen Segeltörn in die Antarktis machen? Oder nicht. Eine Entscheidung ob 3 Wochen Törn oder ca. 3 Monate in Südamerika herumfahren. Kostet das gleiche. Ist es mir das wert?
Schwierige Frage. Ich kenne keinen Bericht von jemanden der nicht absolut begeistert war. Aber der Preis… Echt – also so wirklich sehr echt – ouch!
Ich bin ja normalerweise ein Experte im Schönrechnen von Sachen. Aber das sind Dimensionen da sind mir zu viele Nullen zum rechnen dran…
Naja. Und irgendwie geht mir auch durch den Kopf, daß da die ganzen Leute schreiben dieser Törn ist das Erlebnis Ihres Lebens. Fiebern dem ganzen entgegen. Arbeiten da Jahrelang darauf hin.
..und ich mach das so ignorant ganz en passante. Mal eben mit... Ob das nicht in den ganzen Eindrücken meiner Tour untergeht? Kann man dann das ganze noch würdigen? 
Und was bleibt dann was man in der Zukunft noch machen kann - um so was zu toppen?
Schwierig…
Ich freu mich da über Kommentare und Entscheidungshilfen…

Seekrank - ohne auf einem Schiff zu sein

Es ist Freitag. 08:16.

Ich sitze gerade in der einzigen Bar, die um diese Uhrzeit schon offen hat. Eigentlich wollte ich noch ein paar Sachen im Internet erledigen. Aber so nehme ich mal ein gemütliches Frühstück ein, und schreibe mal ein bisserl Reisetagebuch weiter.

Am Mittwoch bin ich aus Viedma aufgebrochen. Die ersten 150km waren SandWellblechSchotterPiste. Aber Mr. Churchill hat sich tapfer geschlagen – bis auf den Schalthebel, der mir dann bei der Fahrt dann rausgefallen ist und mein Windschild, welches sich gelockert hatte, keine Probleme.

Es war eine interessante Erfahrung so mit 80 durch Wellblech und Sand zu rauschen – wenn das Vorderrad sich verdreht, so wegrutscht und man trotzdem geradeaus fährt.(Allerdings in Kurven ist das ein weniger prickelndes, dafür umso gewöhnungsbedürftigeres Gefühl)

Auf der Straße bin ich dann die restlichen rund 500km mit gemütlichen 120 dahingerauscht.

Ca. 15min nachdem es dunkel wurde bin ich dann auf der Peninsula Valdez in der (einzigen, dafür umso touristischeren) Stadt mit dem Namen Puerto Piramides angekommen.

Die Strecke bin ich alleine gefahren – Fred wollte zwar auch dorthin, aber ich brauchte noch länger und irgendwie wollte auch jeder seinen eigenen Rhythmus fahren. Nach diesen 150km Piste war ich sicher, daß es Fred heute nicht mehr rechtzeitig schafft. Die Alternativroute wären 200km Umweg auf der Straße gewesen.

Umso überraschter war ich, wie ich dann Fred getroffen habe – er war kurz davor angekommen. Er ist die ganze Wellblechpiste weitergefahren – also noch ca. 60km weiter und  nicht die Weichei Variante, bei der man schon vorher zu Asphaltstraße durchsticht… (Naja. Da erkennt man halt seine Sanderfahrung aus Afrika) Aber er hat auch gemeint, daß es ihn beinahe 3mal umgeworfen hätte im Sand.

Nach meiner Ankunft habe ich dann noch schnell mein Zelt aufgebaut, wo mir Fred, mein kleiner Engel, noch geholfen und wertvolle Tips gegeben hat, wie ich das Zelt einfacher aufbauen kann. Mit Fred Plauschen und Zeltaufbauen war es dann eh schon weit nach 2200 und ich mußte noch kurz meine Wäsche waschen bzw. wollte Duschen.

Tja. Wenn das Leben nur so einfach ist… Hier ist ein Naturschutzgebiet und da ist nix mit so einfacher Wasserversorgung.

Ich habe ja bei der Abfahrt meine „Waschmaschine“ gefüllt. Meine Waschmaschine ist eigentlich ein 30l Duschsack, den man auf einem Baum aufhängt und dann mit Schlauch das Wasser für seine persönliche Oberflächenbehandlung verwenden kann. Man nehme also den Duschsack, fülle ihn mit Wäsche, benetze die neuralgischen Stellen der Kleidung mit Spülmittel, fülle diese in den Sack, nochmal eine große Prise Spülmittel drüber, mit Wasser auffüllen – und dann einfach ein paar Stunden Wellblechpiste fahren. Voila. Die Kleidung ist sauberer als zuhause. Nur das mit dem Ausspülen habe ich noch nicht so ganz draußen.

Tja. Und jetzt komme ich wieder auf mein kleines Problem mit der Wasserversorgung zurück.

Die Duschen sind hier nur von 1800 – 1930 einmal täglich offen. Das normale Waschbecken hat so einen Druckknopf ähnlich dem in einem Flugzeug – es kommt nur Wasser, wenn man den gedrückt hält. Tja. Also irgendwann noch kurz vor Mitternacht dann mit dem rechten Unterarm den Knopf gedrückt gehalten und mich dann derart verrenkt, daß ich es dann doch geschafft habe die ganze Wäsche unter den Wasserstrahl zu halten und mit den Händen mit frischem Wasser durchzukneten.

Das Problem des Platz Findes um dann die triefende Wäsche noch aufzuhängen erspare ich Euch. Ich sage nur „4-Personen Zelte sind klasse“ und „leichter Regen im Zelt ist nicht so schlimm“.

Spannender fand ich die Frage wie Duschen.

Eigneltich fahre ich ja Richtung Südpol. Und ich bin ja echt gut ausgerüstet. Mein Schlafsack geht bis -25C. Meine Daunenluftmatratze isoliert sogar bis -43C gegen den Boden. Tja.

Ähem.

Heute zeigte mein Thermometer +36,2C. Im Schatten wohlgemerkt. Während der Fahrt – also echte Werte!...

Und nach über 10h am Bike freut man sich dann doch sehr wohl auf eine Dusche.

Aber was machen,wenn man sich in einem Wüstengebiet befindet und in dem jede Wasserverschwendung verboten ist und der Wasserverbrauch stark reglementiert ist?

Natürlich auf die Regeln pfeifen. Also den Duschsack und den Druckknopfwasserhahn sinnvoll kombiniert und dann totmüde ins Bett gefallen.

 

Am nächsten morgen habe ich dann wieder zwei Sachen zum Thema „Suche Dir einen guten Platz zum Zelt aufbauen auf“ gelernt. Das Problem war - nur um diese Uhrzeit hatte ich kaum mehr Auswahlmöglichkeiten, also mußte ich nehmen was noch da war.

Der Boden hatte eine leichte Schräglage – was dazu führte, daß ich im Halbschlaf mich immer wieder versuchte auszugleichen, weil ich das Gefühl hatte einen Abhang herunterzurutschen. Die Luftmatratze erzeugte dabei ein schaukelndes Gefühl, wie in einem Wasserbett – somit wachte ich auf, weil ich das Gefühl hatte leicht seekrank zu werden…

Aber machte nicht allzu viel – gerade wie ich dann wieder eingeschlafen war, knallte die Sonne eh schon wieder auf mein Zelt und es wurde brutal heiß. Klarerweise lag ich mit dem Kopf im Sonnen- und nicht im dem durch die Bäume geschützten Bereich.

Anyway. Bin dann schnell aufgesprungen (was man bei so einer Reise als schnell bezeichnen kann – man gewöhnt sich ja einen gemütlicheren Lebenswandel an) und habe mir eine Panaderia gesucht. Frisches Brot, Thunfisch aus ganzen Stücken (die eigentlich durch das ganze Geschüttle während der Fahrt eigentlich eine Paste wurde), Ei, Zwiebel (sehr viel davon – sehr lecker!). Sehr fein sowas!

Den restlichen Tag habe ich dann sehr gemütlich vertan. Einfach nur mal ankommen. Und meine weitere Reiseroute planen. Es ist echt nicht einfach so eine Route insbesonders mit einem haltbaren Zeitplan festzulegen. Die Routen hier können für 100km irgendwas zwischen 1h und 4h sein. Ebenso Verzögerungen mit dem Wetter, Ausfälle des Fahrzeuges, kein Sprit, der verfügbar ist und man auf das Tankfahrzeug warten muß, Umwege, weil Straßen gesperrt sind oder Zollstationen nur von dem einem Land besetzt ist und das andere Land nicht – was dazu führt, daß man bei der Ausreise! dann massive Probleme bekommt. Und dazu kommen dann noch Tips von anderen Reisenden, die meinen „Ach. Dann mußt aber das unbedingt auch noch unbedingt mitnehmen. Nicht versäumen!“ und Voila: Du hetzt Deinem Zeitplan hinterher.

Lösung des Problems – keinen Zeitplan haben.

Ich merke auch, daß ich langsam etwas relaxter werde, was so gewisse Sachen angeht. Die ersten Tage in Südamerika, alles immer abgeschlossen in meinem Packsafe Stahlnetz – festgemacht an irgendwelchen Stahlleitungen. Jetzt denke ich mir – irgendwas wird mir auf der Reise garantiert gestohlen / oder ich lasse es irgendwo liegen. Die Frage ist nur wann.

Also habe ich mich auf 4 Sachen beschränkt, die ich nicht verlieren möchte: Mein Netbook, meine Kamera, mein Teleobjektiv und meine Dokumente bzw. Geld.

Und der Rest – naja. Kismet halt.

Ich merke, daß die Sachen hier echt schnell verschleißen. Nach der Reise kann ich mir so ziemlich alles neu kaufen – obwohl so mit Panzerband geklebte Sachen ja auch einen gewissen Reiz haben.

Aber auf das Aussehen pfeift man auch irgendwann mal. Hauptsache, die Sachen funktionieren. Wenn nicht – wegwerfen. Ganz einfache Regel…

In der Theorie.

In der Praxis: ich habe eine Tasche noch kaum geöffnet. Sind alles Sachen, die ich irgendwann brauchen könnte. Irgendwann mal. Aber nicht in den ersten 3 Wochen bis jetzt. (Zugegebenermaßen – es sind auch solche Sachen wie Medikamente. Aber das sind leider die Ausnahmen. Der Rest ist Luxusgut, den ich (derzeit) gar nicht brauche. Vielleicht freue ich mich mal in ein paar Moinaten darüber.)

Sodale. Es ist kurz nach Neun. Ich werde mal zum Zelt zurückgehen und mal umziehen in ein schattigeres Platzerl bevor die Wochenendtouristen kommen und ich dann keinen guten Platz finde.

 

Übrigens - mein „frisch gepreßter“ Orangensaft ist gerade eingetroffen – praktisch dieser Tetrapack heutzutage. Dafür ist der Milch-Kaffee frisch (..angerührt). Der Schinken-KäseToast ist auch „sehr gut durch“. (Kohlenstoffhältige canzerogene Stoffe werden überbewertet).

Naja. Der Vorteil für ihn – ich werde ihn nicht mehr wieder mit meiner Anwesenheit stören.

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Check-in/OK message from Mr. Churchill SPOT Messenger

Mr. Churchill
Latitude:-42.57368
Longitude:-64.27902
GPS location Date/Time:12/16/2010 01:37:09 CET

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Montag, 13. Dezember 2010

Gestern war ich kurz vor dem Abrund - heute bin ich einen großen Schritt weiter

Ich sitze gerade bei der Cafeteria hier am Campingplatz. Anscheinend gibt es hier doch WiFi, wenn auch nicht gratis. 9 Pesos für 2h kann man kaufen – das entspricht ca. 2€. Eine Stunde habe ich gerade von einem Deutschen hier abgekauft, der die letzte Prepaid Karte gekauft hatte.

Heute war wieder mal so ein Tag wo so was ähnliches wie Hoffnung keimte.

Bin heute einfach so bis 1100 im Zelt liegen geblieben. Nicht das es sonderlich bequem wäre – so ein gestampfter Sandboden ist nicht bekannt für den Komfort und meine Luftmatratze ist noch immer leck – aber ich wollte einfach nicht aufstehen… Um 1100 habe ich mich dann hochgequält und dann 4h an Mr. C. herumgeschraubt.

Unter anderem habe ich auch den porösen  Benzinschlauch wieder ersetzt mit einem den mir Walter, der argentinische Tierarzt und Motorradoltimersammler, geschenkt hatte.

Dann noch eine Testfahrt nach Viedma Zentrum hinein – ca.30km eine Richtung auf einer sehr langweiligen Landstrasse mit 5000 Umdrehungen ein bisserl Mr.C. getestet… Aber bis jetzt „keine Auffälligkeiten". Mal schauen. Morgen werde ich mir noch ein paar Zündkerzen als Reserve zulegen. Wenn alles klappt werde ich mit Fred Richtung Peninsula Valdes weiterfahren und dort noch ein paar Tage vor der Weiterfahrt nach Ushuaia verbringen.

Zu Weihnachten möchte ich dann in Ushuaia sein – dort ist dann am 24. und am 31. Große Partytime für Globetrotter angesagt. Das sind so die typischen Treffpunkte und –zeiten, die jeder der sich dort in der Umgebung aufhält wahrnimmt…

Heute gibt´s dann noch ein Asado – ein argentinisches Grillen mit Oscar, dem Organisator, Fred, Frank – einem Deutschen der  hier auch noch hängen geblieben ist und zwei Briten – die irgendwie aus der britischen Oberschicht kommen, und mit einer Rolex und fetten 1200GS Adventure eine Südamerikatour machen (sind aber echt nette Leute).

Alles wird gut. Irgendwann - mein tägliches Mantra

Es ist 4:44 in der Früh und das laute Vogelgezwitscher hat mich aufgeweckt.
So wirklich weiterschlafen kann ich nicht. Also überlege ich mir was ich so alles tun sollte.
Ich beschließe ein paar Sachen gleich in Angriff zu nehmen. Zuerst mal im Zelt den Sand in die Ecke kehren – heute hatte ich in der Aufbruchhektik übersehen das Innenzelt vollständig zu schließen und nachdem da genau diese eine Apsis in Windrichtung steht hat es mir da alles vollgesandet. Ich war dann beim Schlafen gehen zu müde um das auch noch zu machen.
Dann habe ich mir gerade meine Luftmatratze angeschaut. Sie verliert ja Luft und ich habe mir die Punkte genauer angeschaut, bei denen Luft entweicht. An drei Stellen dichtet der Flicken nicht richtig ab und ich muß da, wenn meine Spucke wieder trocken ist, einen Punkt Klebstoff draufgeben. (Spucke ist übrigens eine hervorragender Leckindikator. Macht richtig gute Blasen… ;-)  )
Ich müßte mich auch langsam nach einem Waschsalon umschauen – ich habe da schon einiges an Wäsche angesammelt, die ich gerne noch waschen würde bevor es nach Süden weitergeht.
Die Frage ist nur ob ich mich mit dem derzeitigen Zustand von Mr. Churchill traue noch weiter runterzufahren. Gestern haben mir ein paar Argentinier geholfen – zwei kleinere Hauptdüsen wurden installiert, in der Hoffnung, daß die geringere Spritzufuhr das Gemisch in den Zylinders magerer macht. (Was in der weiteren Theorie dazu führen soll, daß die Elektroden in den Zündkerzen durch den übermässigen Sprit nicht kurzgeschlossen werden und somit nicht täglich eine Zündkerze benötigt wird)
Beim Installieren dieser selbst hergestellten Hauptdüsen hat sich herausgestellt, daß diese zu lang sind. Also wurden sie mit einer Bohrmaschine und einer Feile bzw. Säge zurechtgestutzt. Danach hat die Schwimmerkammer geleckt. Wir haben dann stundenlang versucht eine Dichtung zu basteln.
…nur um am Ende festzustellen, daß der neue Benzinschlauch den wir gestern eingesetzt haben, undicht ist, weil der Ersatzschlauch,den mir mein Gespannbauer mitgegeben hat, zu alt und somit viel zu porös ist.
Gut, daß wir da 4h Dichtung gebastelt haben…
Bei der Testfahrt in der Dunkelheit gabs dann noch irgendwelche anderen Probleme mit meiner Benzinleitung – irgendwie stinkt meine ganze Kleidung nach Benzin. Aber das werde ich mir am Morgen dann anschauen – in der Dunkelheit gestern wollte ich dann nicht mehr anfangen irgendwas zu tun.
Ich habe mich dann schon echt auf etwas zu essen, zu trinken und etwas Schlaf gefreut. Die Ansprüche gehen an solchen Tagen hinunter.
Bei der Testfahrt am Abend habe ich noch mit Walter, dem Argentinier, der mir geholfen hat, Fahrzeug getauscht. Ich bin auf seiner 1200GS Adventure gefahren und er mit dem Gespann. Leider ist mir bewußt geworden, daß beide gleich viel gekostet haben, wenn ich den Preis des Gespannbauers hineinrechne. Und ich mit einer brandneuen 1200GS viel weniger Probleme hätte. Aber jammern hilft auch nicht weiter. Alle mühsamen Tage gehen vorbei.
Was mich halt ärgert ist, daß mein Gespannbauer wirklich sehr viel Geld bekommen hat um das Fahrzeug herzurichten – und ich trotzdem soviele Probleme habe. Es scheint als müßte ich fast alle Arbeiten, die gemacht wurden nacharbeiten müßte - seit über 10 Tagen doktere ich ja an dem Fahrzeug schon herum. Fertig bin ich bei weitem noch nicht. Und das obwohl ich lauter Experten um mich herum habe… (Meine Ölleitung fängt auch gerade an zu lecken – werde ich mir morgen vielleicht mal anschauen. Und daß ich da noch irgendein verborgenes Problem an meiner Seitenwagenbremse vermute, was ich noch nicht einordnen kann, beruhigt mich auch nicht. Ein weiterer Handlungsstrang, den ich mir irgendwann einmal anschauen muß)
Anyway. Das ganze Thema ist ja etwas unglücklich.

Irgendwann muß ich mich auch um meine Bargeldversorgung kümmern. Meine VISA Karte mit der ich weltweit gratis Bargeld abheben kann wird dauernd abgelehnt – anscheinend ist der neue Code falsch. Die Diners Karte ist die einzige, mit der ich derzeit Geld abheben kann. Falls ich mich richtig erinnere verlangen die ja 3% für Bankomatbehebung. Und hier wird noch einmal 16 Pesos Gebühr draufgeschlagen. Und nachdem ich maximal 500 argentinische Pesos (entspricht ca. 100€) abheben kann, zahle ich ungefähr 6€ Gebühren für 100€ abheben. Damit wird meine  Bank reich. Und ich arm. Naja. Technische Details halt.
Internet habe ich am Campingplatz hier auch nicht – ich kann auch nicht wegen den technischen Problemen von Mr. C recherchieren. Somit schreibe ich halt offline. (Gestern habe ich an einer Tankstelle – die endlich mal wieder VISA angenommen hat! – auch kurz meine Mails synchronisiert. Teilweise gibt´s überall gratis WIFI – und dann wenn mans bräuchte natürlich ausgerechnet wieder nicht…)

Sonntag, 12. Dezember 2010

Sand

…kricht überall rein. Bei der Fahrt mit dem Motorrad findet sich Sand in JEDER Körperöffnung wieder - an das Knirschen zwischen den Zähnen gewöhnt man sich ja recht rasch. Aber daß, das Zelt voll Sand ist, obwohl sowohl das Innenzelt als auch das Aussenzelt aus winddichten Gewebe sind – da muß ich erst noch verstehen, wie das der Sand reinkommen kann. Er schafft es auf jeden Fall.

Je größer das Zelt, desto größer auch die Menge an Sand, die man da hat. Ich habe für eine Person sehr angenehm viel Sand   ;-)  (Siehe Photo)

Im Vergleich zu gestern (Samstag) gab es einen großen Schritt Richtung Komfort – ich bin auf einer sehr komfortablen Luftmatte eingeschlafen. (Was nicht notgedrungenerweise auch bedeutet, daß ich auf so einer aufgewacht bin. Das wäre der nächste Schritt in der Komfortsteigerung)

Mr. Churchill war gestern auch wieder die Attraktion. Einerseits weil er das aussergewöhnlichste Fahrzeug hier ist. Und andererseits, weil er hat soviele Wehwehchen hat. Gestern haben die Argentinier hier mit einer Bohrmaschine und einer Feile meine Hauptdüse zurechtgeschliffen. Die aufgebohrte Gasofendüse war zu weit vorstehend und ragte in die Schwimmerkammer hinein, sodaß der Deckel nicht schloß. Und wie wir´s dann endlich geschafft hatten, daß der Deckel oben war, tropfte das Benzin wieder aus den alten, porösen Korkdichtungen, sodaß diese heute (hoffentlich) durch aus speziellem Dichtpapier hergestellte ersetzt werden.

Ich habe gehört, daß es auch Motorräder gibt, die tausende Kilometer einfach nur fahren. Wahrscheinlich wäre das wohl langweilig.

Samstag, 11. Dezember 2010

Pampa, Sand und Luftmatratzen

Yes. I did it. Nach 4 Monaten Vorbereitungszeit. Nach 2 Monaten jetzt noch zusätzlich aktiv intensiv darauf hinarbeiten. Nach über 10000km mit dem Flugzeug. Nach über 2000km am Motorrad sind wir endlich gestern in Viedma angetroffen. Punktlandung. Wie immer. Genauso wie ich es geplant hatte. (Und wie immer bei solchen Projekten war´s dann am Ende super stressig… ;-)   )
Heute ist Samstag. Hat man mir zumindest gesagt. Die letzten Tage sind so im Sturm vergangen – im doppelten Sinne. Einerseits weil wir soviel am Motorrad saßen. Alleine gestern waren wir 13h am Bock. Siebenhundertsiebenundachtzig Kilometer laut GPS. Um Neun Uhr losgefahren. Um 2200 in Viedma angekommen. Mittendrin ein lukullisches Abendessen gehabt – eine Packung Erdnüsse mit einem Schluck gut durchgeschütteltem Mineralwasser.  (Siehe Photo)
Und andererseits weil auf der Fahrt so ein starker Wind war, daß Fred manchmal um 15 Grad geneigt fuhr. Der Sand der aufgewirbelt wurde bescherte uns dann Sichtweiten von teilweise 20m - und davor hatten wir uns noch gewundert, daß uns Fahrzeuge mit Warnblinkanlage entgegen kamen. Danach wußten wir es. Innerhalb von Sekunden wirbelt eine Windböhe den ganzen Sand auf und man sieht nichts mehr.
Man muß allerdings auch sagen, daß nichts sehen bei der Landschaft eh keinen Unteschied macht. Nach 6h Fahrt habe ich Fred zwei Pferde gezeigt, die am Straßenrand waren. Nachher hat er sich bedankt, weil er sie einfach übersehen hätte – der Tunnelblick macht bei so einer monotonen Landschaft echt blind. Ich verstehe jetzt warum die Pampa ein Synonym für das Nichts ist. Einfach - weil es Nix is….
Kilometerlange gerade Straßen mitten durch Steppe. Alle 300km – wenn man Glück hat, eine Tankstelle. Wenn man Pech hat – braucht man gute Schuhe...
Fred hatte noch sicherheitshalber seine 20l Benzinblase aufgefüllt und bei mir draufgepackt. Wir beiden dachten nicht, daß wir sie brauchen würden. Aber bei 5000 Umdrehungen und starkem Wind verbrauchte seine Maschine so viel, daß wir mittendrin anhalten und umfüllen mußten.
Um 22:00 kamen wir dann ja bei dem Vorort von Viedma an. Alles kein Problem. Man hat ja Navi. Also einfach dem Navi folgen.
Tja. Nur dort wo eine Straße sein sollte, war nichts. Aber man kann ja fragen. Umso einfacher, wenn dann sofort Einheimische auf Dich zustürmen und Dir sagen – zu dem Motorrad Treffen geht´s da lang. Echt gut organisiert. Parkwächter. Parkplätze. Alles abgesperrt. Leute super nett.
…nur halt keiner der Englisch sprach.
Hmm… Internationales Motorradweltreisetreffen und keiner spricht Englisch. Doch etwas obskur…
Nach langem hin und her hatte sich herausgestellt, daß es auch ein zweites einheimisches Treffen von ein paar Bikern gab.
Dieses, zu welchem wir wollten, war natürlich um einiges kleiner. Irgendwann nach 22:00 haben wir´s dann auch endlich gefunden. Schnell noch ein Bierchen mit den Leuten getrunken. Kurz geplaudert und dann schnell totmüde in der Dunkelheit das Zelt aufgebaut. Nicht mehr lang, dann geht´s ins Betti. Warmer Schlafsack. Weiche Daunenluftmatratze. Was will man mehr.
Ähem… Tja. Manchmal ist es natürlich nicht so einfach alles.
Daß, das Panzerband – das gewebeverstärkte Klebeband mein bester Freund auf der Reise werden wird, war mir schon klar. Und daß ich es auch häufig verwenden werde auch.
Zum Beispiel kann man es ja verwenden um Schlafsäcke, die durch das Kurzschließen einer Autobatterie mit einem Stahlnetz, welches sich dann erhitzt und dann wie ein Lötkolben den Packsack samt Inhalt verschmort, wieder notdürftig zu flicken.
In meinem Packsack lagen mein Winterschlafsack, mein Sommerschlafsack, Fred Schlafsack, den ich für ihn transportiert hatte, mein Biwaksack. Also alles Sachen, die man zum Beispiel hervorragend mit einem Panzerband reparieren kann.
Ich brauch nicht zu erwähnen, daß das einzige, was man mit einem Panzerband nicht reparieren kann, das war, was verschmort wurde – meine super weiche und komfortable Luftmatratze. Deren Eigenschaft allerdings ist – ohne Luft nicht zu funktionieren.
Ach was solls. Fest gestampfter Sandboden hat ja auch was.

Heute wollte ich dann mal in Ruhe ankommen. So langsam meine Packtaschen waschen, die von einer dicken Staubschicht bedeckt waren. Meine Sachen auspacken.  Also so wirklich schön langsam ankommen.
Sagen wir so – die gute Nachricht: Die Leute sind super hilfsbereit. Ich wurde dann sofort umstürmt und wegen meinem Gespann ausgefragt. Und ich mußte sofort los um mit Oscar, dem Organisator des Treffens, in die Stadt zu fahren und die notwendigen 160er Hauptdüse noch am Samstag zu besorgen. Nachdem  wir einige Geschäfte abgeklappert hatten um diese kleine Schraube mit einem Loch in der Mitte zu finden – eh klar, daß das so ein winzig kleines Teil ist, daß eventuell Probleme verursacht, hatten wir Erfolg. In einem Laden für Gaskocher fanden wir eine passende Schraube, die dann von einem anderen Mechaniker aufgebohrt wird. Mal schauen, ob das das Problem mit dem zu fetten Gemisch löst.
Aber jetzt liege ich endlich in meinem 4 Personen Zelt. Die Sachen notdürftig stau“reduziert“ gemacht – von staubfrei kann man ja nicht wirklich reden, mein ganzes Zeug, daß ich habe zumindest mal überschaut.
Mein Problem ist ja, daß ich ein paar Sachen von Düsseldorf mit dem Gespann nach Südamerika geschickt habe. Und teilweise Sachen mit dem Flugzeug mitgenommen habe. Und auf jeden Fall alle Sachen nur irgendwie Volumenoptimiert hineingestopft habe. Keine Ahnung wo ich also was habe.
Ein Glück, daß Fred immer so hilfsbereit ist und mir die Sachen borgt – die ich doppelt (irgendwo halt) mit habe.

Freitag, 10. Dezember 2010

Check-in/OK message from Mr. Churchill SPOT Messenger

Mr. Churchill
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Longitude:-62.83029
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Sehr, sehr fein

Heute, Freitag, sind wir von Victoria nach Argentinien gefahren – über den ersten 1884m hohen Andenpaß. Die Grenzformaliäten waren recht schnell (für Südamerikanische Verhältnisse) erledigt – die Gegend aber ein Traum. Gebirgslandschaft, strahlender Sonnenschein mit einer beeindruckenden Wolkenstimmung, alles Grün – teilweise in den niederen Lagen tolle Wälder. Leider sind wir ziemlich durchgedüst um Kilometer zu machen. Aber die Strecke war sicher einer der beeindruckendsten, die ich je mit dem Motorrad berreist habe. Für solche Tage zahlen sich die ganzen Strapazen hier aus… Aber weiter Daumen halten, daß Mr. Churchill läuft – auch heute hat er wieder seine tägliche Portion Zündkerze gehabt.
Am Nachmittag dann am Paß beim Schild „Willkommen in Argentinien“ einen Österreicher getroffen, der allein auf seiner KTM unterwegs ist, mit ihm die Grenzestation erledigt und am Abend dann ein Hotel in Zapala gesucht. Die Stadt ist eher was für die Durchreise – aber zumindest mein erstes argentinisches Steak gehabt. Zugegebenermaßen es war ausgezeichnet – wenn auch die Kellnerin eher von der Bedienung und Kundenorientierung eher chinesisch angehaucht (wer die Bedienung in Peking kennt, weiß was ich meine… ;-)   )

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Check-in/OK message from Mr. Churchill SPOT Messenger

Mr. Churchill
Latitude:-38.64554
Longitude:-71.0827
GPS location Date/Time:12/09/2010 19:17:31 CET

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Dienstag, 7. Dezember 2010

Auch lange Tage haben ein Ende. Irgendwann.

Wir sind gerade in in Curico „gelandet“. Eine Stadt mit über 120.000 Einwohnern entlang der Ruta 5. Böse Zungen würden behaupten hier gibt es nicht signifikantes – außer halt der Autobahn Richtung Süden.

…als weltoffener Mensch sage ich natürlich, daß ich der Stadt noch keine Chance gegeben habe Ihren Charme zu beweisen.

Wie auch immer.

Die letzten Tage waren etwas intensiver. Es stand alles unter Mr.Churchills röcheln. Oder gegebenenfalls eben nicht röcheln.

Am Freitag begann das Drama – festgestellt, daß ein Zylinder nicht läuft. Besuch einer Werkstatt – einer typisch südamerikanischen. Sehr viele Hämmer und Schweißfgeräte standen herum.  Der Mechaniker, der den Vergaser ausbaute wußte genau was er tat. Naja. Zumindest wie er diesen zur Mund führte, mit einer professionellen Bewegung die Hände um den Vergaser legte und tief hineinblies um die Dichtheit zu Überprüfen. Naja. Aber ich bin mir nicht sicher. Es könnte auch sein, daß er daran sog um die Benzindämpfe einzuatmen. Auf jeden Fall hatte er danach ruhigere Hände und konnte so viel besser die Einstellungen meines Schwimmers verstellen. (Das das nicht notwendig war und Fred dann die ganzen Sachen wieder zurückbiegen mußte am nächsten Tag waren technische Details. Feinheiten halt)

Am Samstag verbrachten Fred und ich den ganzen Tag beim Sonnenbaden. Und weil wir so im Freitzeitstress sind haben wir das auch gleich kombiniert mit einem Saunagang. Und um die zeit zu nutzen hatte ich dann auch einen Crashkurs in Vergasertechnik von alten Zweiventil Boxermotoren – vor unserem Hotel haben wir 7h Vergaser zerlegt, was bei 30C im Schatten eine interessante Sache ist.

 

…eigentlich wollte ich jetzt meine Leidensgeschichte fertig erzählen. Aber Fred hatte mich gerade geholt und wir waren dann gerade beim Jumbo einkaufen – dem „kleinen“ Bauernmarkt, den man sich so in Südamerika vorstellt (und der jeden METRO Markt in den Schatten stellt mit seinen ca. 60.000 Artikeln)

Und um 23:44 fehlt mir ein bisserl der Elan weiterzuschreiben – ich melde mich da irgendwann wenn ich etwas zum schreiben komme. Wir sind ziemlich im Zeitdruck, weil wir ja am kommenden Freitag in Viedma sein wollen – Luftlinie ca. 1100km. Aber nachdem es über Andenpässe geht sind es ca. 2000km Strassenstrecke… und das werden also in den kommenden Tagen etwas längere Tage auf Mr. Churchill sitzend (falls er überhaupt mitspielt… Heute war er dann aber ziemlich brav nachdem wir über 4h das Ventilspiel eingestellt hatten…)

Samstag, 4. Dezember 2010

Laufen von zwei Zylinder wird überbewertet

Tja. Also gestrandet.
Los Andes hat sicherlich auch irgendwelche Reize.
...wenn ich sie nur kennen würde! :-)

Sieh mal hier um zu sehen,was ich heute so getrieben habe! ;-)

Die gute Nachricht - es kann nur besser werden...

Der Tag begann spannend.

Beim Beladen zuerst beinahe Mr.C abgefackelt – die offenen, nicht geschützten Kabel des Plus Pols haben dann mit der Masse des Rahmens den Pac Safe (Stahlnetz um meinen Rucksack) durchgeschweißt (inklusive darunterliegenden Schlafsack von Fred). Interessant war hierbei, daß keine einzige Sicherung geflogen ist – was ich eigentlich erwartet hätte.

Danach auf halber Strecke liegen geblieben – vermutete Bremsenprobleme. Dann war aber plötzlich alles ok. Die Ursache, ist noch unklar.

(Daß der Wasserbeutel von Fred, den er mir auf das Gespann gelegt hatte, sich danach während der Fahrt löste, herausfiel und aufplatzte ist nur ein kleines Detail des heutigen Tages...)

 

Dann kam schwarzer Rauch aus dem Auspuff beim Überholen eines LKWs – war Fred schon in der Früh aufgefallen. Habe es dort dann aber auf den Choke zurückgeführt.

Plötzlich hat er auch kein Gas mehr angenommen – Vermutung als Ursache lag auf zuviel Öl nach Ölwechsel. Also am Strassenrand Öl abgelassen – keine 2m von donnernden Trucks entfernt die Staub aufwirbelten.

Danach hatten wir aber massive Probleme mit der Dichtung der Schwimmerkammer, die wir abgenommen haben um sie auch zu überprüfen – die Dichtung war total porös und lies sich nicht mehr ordentlich hineinlegen. Auf dem Weg zurück in die nächste Stadt verlor ich somit permanent Benzin. Aber das größere Problem war, daß die Maschine nur auf einem Zylinder läuft…

Also zurück in das letzte Dorf gehumpelt. Dort 2h mit Mechaniker vor Ort versucht Problem zu fixen… - was aber nicht klappte: weder tropfendes Benzin noch das mit dem nur einem Zylinder. Also back to square 1.

Oder schlimmer eigentlich noch – der Mechaniker hat dann in der Schwimmerkammer einiges herumgebogen, was wir morgen in der früh uns nochmal genau anschauen müssen bzw. zurückbiegen müssen. Aber es wurde schon dunkel – kurz vor 22:00, die Werkstatt hatte eigentlich schon seit 2h geschlossen, der Mechaniker wurde mürrisch…

 

Ich auch. Totmüde. Absolut totmüde. Aber ich bin so dankbar, daß Fred dabei ist, der sich da so top auskennt…

[Mal schauen, wo ich Internet finde um das dann zu posten – also nicht wundern, wenn das irgendwann verspätet auftaucht]

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Please welcome Mr. Churchill

Dreiundzwanzig Uhr Vierundvierzig.
Der gestrige und heutige Tag waren sehr intensiv.
Gestern bereits ab 08:00 am Hafen, dann 8 verschiedene Stationen – mit jeweils langem Warten, und dann um 15:30 endlich mit Mr. Churchill aus dem Hafengelände herausfahren. Dank Enzo – meinem Gastgeber, der für mich die ganzen Behördenwege gemacht hatte, mußte ich nicht sonderlich viel machen. Es war meistens ein Warten – unterbrochen durch das Laufen zur nächsten Station.
Das spannendste war für mich entweder der Streik der öffentlich Bediensteten – der ganz Chile in Atem hält, und ob Mr. Churchill sofort anspringt.
Letzteres tat er fast klaglos.
Leider habe ich dann - wie ich im Hostal angekommen bin und das allererste Mal wirklich so in Ruhe einen Blick auf ihn geworfen habe - doch einige Sachen gefunden, die mein Gespannbauer, der mir das Gespann hätte herrichten sollen, nicht wirklich schön gemacht hat. Das kritischste ist eine Bremsleitung, die am Vorderreifen gerade mal 2mm vom Reifen entfernt ist – wenn sich da ein Stein festtritt könnte er da die Bremsleitung im Worst Case verletzen.
Und es gab da auch noch ein paar andere unschöne Sachen.
Anyway. Wenn ich nicht so müde wäre, würde ich da mehr schreiben.
Aber letztendlich sind das alles keine Sachen, die man nicht irgendwie irgendwo irgendwann regeln kann.
Aber trotzdem – am gestrigen Abend mußte ich mich ein bisserl von dem Schock erholen, daß da doch ein paar Sachen bei weitem nicht so sind, wie ich es mir gedacht hatte…
Ich hatte ja das Problem, daß ich mein Gespann am Sonntag Mittag erst vom Gespannbauer in Düsseldorf übernommen habe, am Sonntag bis spät nachts gepackt hatte, am Montag von Düsseldorf nach Hamburg gefahren bin und am Dienstag um 09:00 mit der großen Hilfe einer lieben Freundin meiner Mutter schon am Packschuppen in Hamburg abgegeben habe – damit es über den Atlantik und Panama Kanal nach Chile kommt.
Somit habe ich ihn nach dem Abschluß der Reisevorbereitungsarbeiten nicht wirklich in Ruhe gesehen – erst gestern so wirklich das erste Mal.
Anyway. Das Thema Gespannbauer ist leider sowieso etwas unschön.
Aber das wäre eine allzu lange Geschichte.
Heute war ich dann mit Fred bei der Werkstatt zu einem Ölwechsel. Davor noch einen passenden Ölfilter gesucht – was nicht ganz einfach ist, weil Mr. Churchill ja keinen herkömmlichen Ölfilter eines Motorrades hat, sondern einen wesentlich mächtigeren PKW Filter. Um genau zu sein, den eines Ford Fiestas.
Aber auch wenn es nicht genau mein Modell war – anscheinend hat man in Südamerika andere Typen-Nummern – er paßte trotzdem.
Dann noch eine Ausfahrt und ein Essen bei einem sehr guten Seefood Restaurant, wo ich dann Fred eingeladen habe als Dank für seine fachliche und moralische Unterstützung.
Danach direttissima zurück ins Hostal – und seitdem nur noch eine Sache gemacht: Einpacken.
Und nachdem ich nicht sowenig Sachen mithabe – der Vorteil eines Gespannes (naja – und auch der Nachteil, weil man zuviel Zeug mithat), dauert das ganze etwas. Und somit ist es fast Mitternacht, ich bin hundemüde – und noch immer nicht fertig.
Aber morgen geht’s recht bald Richtung Mendoza – es ist meine erste Grenzüberquerung mit Mr.C und ich bin da auch schon gespannt, was da auf mich zukommt.
…und wieder ist es doch etwas länger geworden – obwohl ich noch gar nicht alles erzählt habe, was ich in den letzten zwei Tagen so erlebt habe. Aber ich wollte mich kurz melden, insbesonders weil ich jetzt die nächsten Tage wahrscheinlich nicht online sein kann. Aber ich bin am Weg nach Viedma (Argentinien) zu dem Horizons Unlimited Treffen (Gruppe von Motorrad Weltreisenden) am 10.-13.12.
Spätestens dann sollte ich wieder erreichbar sein – bzw. wieder etwas von mir kundtun…