Donnerstag, 29. September 2011

[2011-09-29, 18:08] Bye, bye Bolivia!

Es hätte ja gestern eine gemütliche, sprich faule Abfahrt aus La Paz werden können. Aber dank der Engagiertheit der lokalen Bevölkerung bin ich also um 05:30 aufgestanden, habe um 06:00 MrC aus der Garage des anderen Hostals abgeholt und bin dann Richtung Copacabana aufgebrochen. 180km entfernt. Rechtzeitig aus La Paz raus bevor ab ca. 08:00 alle Ausfahrtsstraßen auf Grund von diversen Streiks gesperrt werden.

 

Tja. Das Problem war aber wieder mal, daß in der Nacht heiteres Fliesenzählen angesagt war. Dies in Kombination mit einer Motorrad Tour ist suboptimal. Weil in der Pampa gibt es keine Fliesen. Nur Grashalme.

Ich habe zwar versucht sie zu zählen. Aber nach ungefähr 10 Stück mußte ich von vorn anfangen – ist nämlich nicht  so einfach! (Mal ausprobieren!) Aber ich werde da keine weiteren Details mehr dazu erwähnen.

 

Nachdem ich so früh aufgestanden bin, dachte ich mir also, daß sich der kleine Umweg über Copacabana gut ausgeht bevor ich am selben Tag nach Peru hinüberzische.

Susan hatte mir geschrieben, daß sie an dem Tag auch wieder in Copacabana von einer Tour gerade zurückkommt. Und so ergab es sich gut, daß ich da auch noch kurz bei Ihr vorbei schaue.

Tja. Aber die Praxis wieder mal. Gerade wie ich so in Copacabana hineinreite, fängt es an zu schütten - ein Zeichen des Himmels anscheinend in Copacabana zu bleiben.

Also mich dann im gleichen Hotel wie Susan einquartiert. Und dann gleich einmal 2 Stunden geschlafen. Und dies wie ein Stein.

Hmmmm... Ich merke, daß die letzten Tage mich etwas geschlaucht haben. Und daß mein Magen sich da wieder mal bestimmend meldet, hat zu meinem Wohlbefinden auch nicht beigetragen.

Irgendwie interessant – es ist wieder diese 24h Geschichte: ein Tag, wo man mehr Zeit am Klo als woanders verbringt. Dann am nächsten Tag vom Magen her alles in Ordnung – aber man ist geschlaucht wie nur was. Sogar das Schuh ausziehen ist einem dann schon anstrengend.

Aber jetzt am Nachmittag merke ich zum Beispiel, daß ich schon wieder auf dem Damm bin.

 

Eigenartig, daß ich genau diese Verlaufsform so regelmäßig habe. Sehr strange...

Mir gehen gerade diese Schauergeschichten von irgendwelchen Parasiten durch den Kopf. (Oder durch den Bauch?) Irgendwelche Würmer oder sonstiges Getier, welches sich alle handvoll Wochen vermehrt und dann zu eben regelmäßig wiederkehrenden Symptomen führt. (Erkenntnisse aus Gesprächen mit anderen Reisenden, denen so etwas schon passiert ist)

Naja. Wenn ich mal Zeit habe werde ich mal in diese Thematik einlesen. Hmmmm... Einer der Vorteile des Langzeitreisens – es gibt viele Themen, die man sich auf der Reise aneignen kann... ;-)

Anyway.

 

Aber heute ging es dann nach Peru weiter.

Tja. Aber ich bin noch immer von Bolivien begeistert!

Ich hatte ja ziemliche Bauchschmerzen wegen dem überzogenem Visa und der temporären Importerlaubnis von MrC. (Nun ja. Auch wegen anderen Sachen. Aber dies hatte ich ja bereits ausführlich oben stehend erörtert)

Dann kam die Überraschung: ich habe noch nie so einen unkomplizierten Grenzübertritt erlebt. Schnell mal ganz unkompliziert 20 Bolivianos (2€) pro überschrittenem Tag bezahlt. Und fertig war ich. Die Gesamte Prozedur bei Migracíon, Zoll und Transito (Verkehrspolizei) dauerte – wenn man das ganze Plaudern abzieht ;-) – gerade mal 5min.

Tja. Aber bei Susan war die Sache noch komplizierter. Sie war nämlich vor unserer gemeinsamen Einreise auch bereits einmal für eine Woche in Bolivien. Und das bedeutet, daß sie sogar 2 Wochen über der maximal erlaubten Anzahl von 90 Tagen pro Kalenderjahr war!

Und dann passierte etwas,was ich vorher noch nie erlebt habe!

Der Beamte fragte bezüglich der mehrfachen Einreise die Kollegen. Und alle meinten unisono: „Die vorige Einreise hat nie statt gefunden, gell?"

Und wie wir dann zweimal 20 Bolivianos mal 8 Tage zahlen wollten (sprich also 320 Bolivianos (32€)  für uns beide), legten wir aber 400 Bolivianos auf den Tisch. Und dann gab er uns den vierten 100 Boliviano Schein zurück und meinte „Stimmt schon!"...

Ähem. Und das in Südamerika?...

Ich zweifelte schon daran...

 

Ein Glück, daß uns dann der peruanische Polizist an der Grenze wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholte. Der Zoll und die Migracíon waren super nett. Nur der Polizist (die dritte Station) begann unsere Befragung mit den einleitenden Worten: „Ich habe bemerkt, daß Sie solange beim Zoll waren. Hatten Sie da gerade Probleme, daß irgendwelche Papiere fehlten?" Und dann wollte er die für Peru gültige Versicherung sehen. Welche ich natürlich hatte. Günstig bei Photoshop erworben.

Ich merkte, daß er unglücklich war.

Also fragte er noch nach dem internationalem Führerschein. Den ich blöderweise auch hatte.

Schmarrn aber auch. Bei mir gab´s also nichts zu holen.

Zum Glück hatte Susan keinen internationalen Führerschein. (Nun ja. Daß sie streng genommen gar keinen Motorradführerschein hat, darf man nicht überbewerten.)

Und hilfsbereit wie er ist, kann er uns aber dabei aus der Patsche helfen. Mit den Worten gemurmelt „Propina" – was soviel bedeutet wie Trinkgeld, legte er die Dokumente zu seinem Computer und ließ andeuten, daß er uns was schreiben könnte, damit wir dann bei zukünftigen Kontrollen keine Probleme haben. Weil „...die peruanische Polizei ist sehr streng!"

Ach. Freundlich wie ich bin, bedankte ich mich sehr für seine Hilfestellung, aber meinte, daß wir beide bereits seit rund 10 Monaten in Südamerika herumreisen und wir noch nie irgendwelche Probleme mit irgendwelchen Polizisten oder Dokumenten hatten. Und, daß er aber ein sehr anständiger Mensch sei, weil er uns da so nett unterstützen wollte. Ganz lieb von ihm.

 

Tja. Und dann ging´s weiter nach Puno.

...Welch Schock! Wieder Rückkehr in die Zivilisation: Das Badezimmer hat keinen elektrischer Duschkopf – dafür aber sogar einen Duschvorhang. Die Handtücher und das Klopapier wurde uns aufs Zimmer getragen – und zwar ohne danach explizit zu fragen. Und – man glaubt es kaum – es wurde sogar Seife beigelegt! Welch Luxus!

Nun gut. Ich gebe hier auch gerade Unsummen aus dafür – das Doppelzimmer hier mit privatem Badezimmer,WiFi und Satelliten-TV kostet 25 Soles (ca. 6€) pro Person. Ich bin allerdings nicht mehr gewöhnt mehr als 30 Bolivianos (3€) für mein Bett auszugeben. Welch dekadenter Lebenswandel gerade...

Dienstag, 27. September 2011

Paciencia

Ich sitz gerade wieder in meinem Stammlokal „Banais". Hervorragendes Essen. Kaltes Bier...– und WiFi.

 

Hmmmm... Manchmal glaubt man manche Tage nicht.

So wie heute.

Natürlich hat mich die ganze Sache mit MrC ziemlich beschäftigt. Unter anderem auch zur späteren Stunde. Sprich ab ca. 3Uhr früh habe ich im internet weiter herumgestöbert, was es denn alles sein kann.

Beim Frühstück – auch wieder im „Banais" – habe ich mir auch diverse Dokumente noch vorbereitet, die ich alle dann ausdrucken ließ.

Tja. Und dann begann wieder das große Von-Pontius-zu-Pilates Spiel. Sprich also so ca. eine Stunde in die Zona Sur zu dem Shop gefahren, wo jeder gemeint hat, daß eben „Nosiglia" mit Abstand die besten sind. Mit einer riesigen Motorrad Werkstatt. Und einer großen Auswahl an Ersatzteilen.

Tja. Stimmte auch beides. Nur leider so alte BMW-Motorräder – damit kennen sie sich nicht aus. Und mein Zündsteuergerät als auch insbesonders meine Doppelzündspule haben sie nicht. Und ich möge es doch bei BMW probieren – Andar Motors.

Ach. Mir war eh fad. Also noch dorthin gefahren. Und dann mit Julio dem Chef der Ersatzteilbneschaffung geplaudert. Welcher gemeint hat, daß Zweizylinder Motorräder hier in Bolivien sehr selten sind. Es gibt halt eben gerade mal die brandneuen BMW Motorräder – allerdings mit einer anderen Technologie. Und sonst aber in Bolivien eben nix. Motorräder sind hier die Fahrzeuge des armen Mannes. Und die haben halt immer nur einen Zylinder.

Aber er kennt zumindest eine Werkstatt, die exzellent ist. Und die können alles reparieren.

... „Nosiglia" eben.

Ähem. Daß ich von dort eben gerade kam, war halt Pech.

Nun gut. Also anscheinend komme ich bei dem Thema anscheinend auch nicht wirklich weiter. MrC ist anscheinend zu alt um von BMW betreuut zu werden und zu groß um in Bolivien irgendwelche tüfteligen Anhänger zu finden. Schmarrn. Aber auch.

Also zurück zu Valentin´s Shop.

Hört sich einfach an. Ist es aber nicht.

Weil irgendwie die halbe Innenstadt wurde gerade bestreikt und blockiert. Und somit mußte ich dann kompliziert umsteigen / neuen Bus suchen um halbwegs in Richtung El Alto zu kommen. Im Endeffekt habe ich dann 1,5h gebraucht um pünktlichst um 14:00 zu Valentin zu kommen – zu dieser Uhrzeit war vereinbart, daß ein Freund von Diego (Valentin´s Sohn) vorbeischaut. Ungefähr gleich alt wie Diego. Also vermutete ich so ungefähr 16... Yap. Meine Erwartung war da eher beschränkt. Zugegebenermaßen.

Das einzige was mich da am Vormittag aufgeheitert hat, war der Plausch mit Zulema – einer Zahnärztin, die in Japan studiert hat und neben mir im Microbus gesessen hat. Und mir beim Aussteigen noch ihre Visitenkarte in die Hand gedrückt hat. Falls sie mir irgendwie helfen kann.

 

Nun gut. Aber ich hatte ja wenigstens ein paar Ausdrucke zur Fehleranalyse mit. Wenigstens irgendetwas was ich tun konnte, wenn es denn sonst keine Hilfe gibt hier.

Eh klar, daß genau derjenige Ausdruck fehlte auf dem die Anweisung zur Fehleranalyse draufstand. Alle anderen unwichtigen Ausdrucke habe ich im Printshoip mitbekommen. Ach. Technische Details.

Aber was soll´s. Aufgeben tut man einen Brief.

Und wie ich mich so aufmache um selbst Hand anzulegen und den Tank demontiere kommt der Freund von Diego vorbei. Eine Spur älter wie ich erwartet habe.

Und erzählt mir von seiner Harley, die vor der Tür steht. 1500ccm.

Ähem. Ich glaube ich träume.

Und dann erzählt er mir von seiner BMW R75/7 die er davor hatte. Genau das Modell aus dem MrC zur Hälfte besteht...

Und das lustige daran – ich wollte ja eigentlich viel früher zu Valtentin kommen. Weil ich wollte noch ein paar Sachen vorab ausschließen. Als allererstes, daß der Kill-Schalter nicht die Ursache für alle Probleme ist.

Tja.. Und was war´s? - Natürlich der Killschalter.

Das Leben kann manchmal so einfach sein. Man muß nur Geduld haben. Es gibt für alles eine Lösung.

 

Dann noch schnell ein paar Kleinigkeiten korrigiert (Ölstand, Luftfilter gereinigt, den ausgefallenen Zusatzscheinwerfer wieder angeschlossen) und mich dann von dem Freund von Diego verabschiedet, welcher weg mußte. (Dem, dessen ungewöhnlichem Namen ich mir partout nicht merken konnte)

Dann alle Sachen aufgepackt. Und noch in voller Euphorie mit der Runde geplauscht. Tja. Man muß halt einfach nur Geduld haben. Es kommt immer eine Lösung. Irgendwie.

Beim Plaudern haben wir so über meinen Drehmomentschlüssel gescherzt. Und mir ist dann eingefallen, daß ich noch einen weiteren habe. Gut verpackt in einem meiner Toträume am Bike. Einen, den ich nie verwende. Und den hab ich dann Valentin geschenkt. Welcher sich tierisch gefreut hat darüber.

 

Tja. Dann alles aufgepackt. Mit Spanngurten gut verzurrt. Und – weil ein Freund von Valentin uns noch darauf hinweißt - noch den letzten Test gemacht. Abblendlicht. Ok. Fernlicht. Ok. Hupe. Ok. Blinker links. Ok. Blinker rechts. Ähem. Blinker rechts. Ähem....

Tja. Alles tot plötzlich.

Eh kloa. Was sonst.

Also ALLES wieder runtergenommen. Meinen Spanngurt, der das Federbein entlastet wieder entzurrt. Und die Batterie wieder gecheckt. Aber war alles in Ordnung bei der Batterie. Klar, daß die zu unterst ist. Also unnötig, daß ich deswegen wieder alles entladen hab.

Abgekürzt: es stellt sich heraus, daß ich einen weiteren Wackelkontakt habe. Nämlich genau dort wo die Nebensysteme mit Spannung versorgt werden. Wo unter anderem auch der Starter dranhängt.

 

Nun gut. Es könnte alles schlimmer sein. Weil MrC funktioniert wieder. Ich kann endlich weiterdüsen. Sehr fein.

Ähem. Habe ich die Theorie und Praxis heute schon erwähnt?

Weil in der Praxis wird morgen den ganzen Tag über alle wichtigen Strassen inklusive der Ausfahrtsstrassen in La Paz bestreikt.

Also mein ursprünglicher Plan MrC üner Nacht bei Valentin zu lassen klappt nicht. Ich muß da vor 08:00 aus La Paz vollkommen draussen sein. D.h. aber, daß ich heute noch MrC zu meinem Hostal mitnehmen muß. Welches im Zentrum liegt. Und dort... Tja. Parkplätze sind ein Fremdwort.

Aber andere Option habe ich halt keine.

Also dann halt mir MrC ins Zentrum zurückgefahren. (Daß er mir wieder abgestorben ist, erwähne ich jetzt nicht. Keine Ahnung, ob das jetzt wirklich auf Grund der Höhe normal ist, oder noch ein weiterer zusätzlicher Fehler ist. Ach. Ich werd´s morgen sehen.)

Tja. Und dann kam schon wieder die bolivianische Gastfreundschaft ins Spiel: Ich bin ja in einem anderen Hostal untergekommen wie damals mit Susan. Im jetzigen gibt es nämlich WiFi, welches ich aber dringend zur Internetrecherche benötigt hatte. Aber eben keinen Parkplatz. Und so bin ich zu dem alten Hostal zurück und habe denen meine Situation reumütig erklärt. Daß es mir leid tut. Sie aber kein Internet haben. Und ich deswegen woanders hin ausweichen mußte.

Und was war?  Alles kein Problem. Es gibt immer eine Lösung für alles. Natürlich kann ich mein Bike abstellen. Und es dann morgen um 06:00 vor dem Streikbeginn abholen.

Finde ich schon klasse.

Ach. Und übrigens: Valentin hat dann für die ganzen Arbeiten genau 0 Bolivianos verlangt. (Entspricht ungefähr 0€)

Sehr klasse, Bolivien.

Montag, 26. September 2011

Höhentraining

Hmmmm... Ich grüble gerade wie man erfolgreiche Tage definiert.
Brav wie ich bin, bin ich also um 07:30 aus dem Bett gesprungen. Habe mir mal meine Route für den heutigen Vormittag angeschaut. Ist ja alles recht praktisch: Das Büro für die „Migracíon", das österreichische Konsulat und die Aduana (Zoll) liegen recht nah bei einander.
Praktisch - also alles schön zu Fuß zu erledigen. Nachdem mein Visum ja abgelaufen ist und im Loose Reiseführer empfohlen wird, am besten direkt in der Früh zwecks Verlängerung des Visums in der „Migracíon" vorstellig zu werden: bedeutet also 08:30 dort.
Das österreichische Konsulat lag da fast am Weg und nachdem ich für die Öffnungszeit eh zu früh dran war, habe ich noch schnell dort vorbeigeschaut. Es ist immer gut zu wissen wo was ist – man erspart sich dann später die Zeit des Suchens...
Tja. Auch schnell gefunden. Reinspaziert. Und den Portier gefragt in welchem Stock das österreichische Konsulat denn sei.
Seine Antwort: „Och. Das ist schon länger umgezogen. Das ist jetzt im ´Edificio Requima´. In der Avenida Montevideo". Eh kloa. Wäre ja zu schön gewesen, wenn das direkt hier am Weg gelegen wäre.
Aber keine Zeit herum zu weinen. Um 08:30 will ich ja bei der Migracíon sein... (Und dann das größte positive Highlight des heutigen Tages: meine Lieblingsmutter – weil einzige – hat mich mit einem Anruf am bolivianischem Handy überrascht. Schnell mit Ihr das weitere Vorgehen abgestimmt (Sie hat mit dem Bolivianischen Botschafter in Wien gesprochen)) Und dann zur Migracíon weitergeeilt.
Fein. Keine Schlange. Alles noch fast leer. Wie fein! Stefan Loose´s Reiseführer hat Recht gehabt. Gute Idee so früh zu kommen.
Und die Polizisten in Uniform: super zuvorkommend. Kaum stehe ich irgendwo eine Minute fragt mich einer, wo ich denn hinwill und was ich denn brauche.
Kurz meine Situation mit dem kaputten Motorrad erklärt und zum Schalter 4 geschickt worden. Tja. Dort war noch niemand. Aber macht nichts. Halt einfach dort warten. Ist ja richtig.
Nach ein paar Minuten kam auch ein Mann. Ich erklärte ihm meine Situation. Er äußerst verständnisvoll. Und schickt mich zum Schalter 8.
Am Schalter 8 eine sehr nette Dame. Welche meint, sie würde mich nicht betreuuen. Ich möge doch bitte zum Schalter 4 gehen.
...Ähem.
Nun gut. Also wieder zurück zu Schalter 4. Dort: „¡Sí, sí! ¡Es el ventanillo ocho!". Ähem. Also wieder zu Schalter 8 zurück. Dort erklärt, daß der Herr mich eben zu ihr geschickt hat. Und mich brav dumm gestellt. Daß mein Spanisch so schlecht sei. Und daß sie mir vielleicht helfen könnte und mich die 5m zu Schalter 4 begleiten könnte.
Gesagt, getan. Ist sie also zu Schalter 4 hingestürmt. Hat den Mann dort irgendwie beschimpft, daß er gefälligst zuständig sei. Und ist abgerauscht.
Ähem... Ich also zwischen zwei Fronten. Nun ja. Der Herr hat dann keine Anstalten gemacht, irgendwas zu unternehmen. Und so bin ich halt zu der Dame zurück. Und habe sie höflich gefragt, was sie mir denn empfehlen würde, was ich tun soll.
Tja. Sie greift zum Hörer. Ruft den Superchef dort an. Meine Hoffnung steigt, daß ich da endlich einer Lösung zugeführt werde.
...und bevor da jemand abhebt, drückt sie mir den Hörer in die Hand.
Nun gut. Machen wir mal wieder ein bisserl Sprachtraining. Erklärung von administrativen Problemen am Telephon. In Spanisch.
Auf jeden Fall meint dieser Herr ich möge doch zu Schalter 4 gehen.
Yap.
Ähem.
Nun gut.
Also wieder zurück zu Schalter 4.
Und dem Herrn dort erklärt, daß ich gerade mit dem Super-Jefe gesprochen habe. Und er gemeint hat, daß Schalter 4 zuständig sei.
Nun gut. Er schnappt sich meinen Pass. Und meine Temporäre Importerlaubnis des Motorrads. Und verschwindet nacht hinten.
Ein paar Minuten später. Er kommt zurück.
Und erklärt mir, daß ich als Österreicher leider zur Gruppe 1 Länder gehöre. Und die aber sogar 90 Tage Aufenthaltsgenehmigung bekommen. Aber danach gibt´s keine Verlängerungsmöglichkeit mehr. Und jeder Tag, den ich länger in Bolivien verbringe muß ich aber leider Strafe zahlen. 20 Bolivianos. 2€.
Och. Damit kann ich doch leben. [Daß diese Lösung für den Herrn am wenigsten Arbeite bedeutet, erwähne ich hier übrigens nicht.]
Tja. Und meine Frage, wie es denn mit der überschrittenenen temporären Importerlaubnis von MrC handhaben soll: Alles gar kein Problem. Das ist damit automatisch erledigt. Also alles eitle Wonne Eierkuchen.

Hmmmm...  Jetzt kommt wieder die Theorie ins Spiel. Und die Frage dann nach der Praxis. Weil jeder der die Bürokratie in Südamerika kennt, weiß, daß die Einwanderungsbehörde und der Zoll vollkommen unterschiedliche Bereiche sind. Die absolut gar nichts gemeinsam haben. Also würde es mich in meiner paranoiden Art doch sehr wundern, wenn ich da mit der Strafzahlung bei der einen Behörde automatisch auch die Strafe für die andere beglichen hätte.
Sowas funktioniert ja nicht mal in Österreich. (Und in Deutschland sowieso nicht!... ;-) )
Wie auch immer. Das Zoll-Hauptgebäude ist ja praktischerweise nur ein paar Straßen entfernt.  
Und sicherheitshalber einfach nur mal so nachgefragt, was die so meinen...
Tja. Klar, daß ich das verlängern muß. Aber dafür muß ich in den zweiten Stock. Zur „Unidad de Normas y Procedimientos".
Alles kein Problem. Also von der Infostelle zum Portier gegangen. Dort gebeten, daß ich zu eben dieser Abteilung will.
Und dann wieder das Spiel, welches ich schon kenne.
Tja. Die Portierin greift zum Hörer. Meine Hoffnung steigt, daß ich da endlich einer Lösung zugeführt werde.
...und bevor da jemand abhebt, drückt sie mir den Hörer in die Hand. Wortlos. Was sonst.
Yap. Also ich wieder mal am Telephon.
Die gute Nachricht: es hebt diesmal keiner ab.
Wiederwillig, läßt sie mich dann hoch in den zweiten Stock.
...Wo ich dann erfahre, daß ich hier im Hauptgebäude bin. Aber solch bürokratische Akte wie Importerlaubnisverlängungern werden hier nicht gemacht. Nur am Flughafen. Und dort soll ich dann also mein Anliegen noch mal gut artikuliert vorbringen. Und klarerweise würde da irgendein offizielles Dokument da helfen.
Ok. Mein Gefühl steigt, daß das ganze noch langwieriger wird.
Tja. Also dieser Ansatz, das ganze auf die bolivianisch korrekte Art zu lösen ist nur bedingt optimal.
Aber als stolzer Österreicher weiß ich, daß mit Vitamin B doch so vieles geht.
Klar, daß das wieder woanders ist. Aber ich bin ja gut zu Fuß. Nicht wahr?
Am österreichischem Generalkonsulat werde ich damit überrascht, daß da schon ab 09:00 offen ist. Auch wenn es bereits kurz vor 10:00 ist. Ich hatte eigentlich eher die Erwartung, daß die erst um 14:30 an einem Montag aufsperren.
Nun gut. Also hoch. Schließlich wenn ich schon da bin.
Tja. Nur weil das Büro geöffnet ist, bedeutet es nicht, daß da irgendjemand offizieller da ist. Klarerweise. Warum denn auch.
Nach ein bisserl Plausch mit einer bolivianischen Assistentin bekomme ich endlich die Telephonnummer des Konsuls.
Nun gut. Besser als gar nix.
Verlasse das Gebäude und ruf ihn schnell von meinem Handy an. Wenn ich doch schon hier bin...
Tja. Nur leider war wieder die lokale Nummer ohne Vorwahl aufgeschrieben. Keine Ahnung welche Vorwahl ich da schon wieder wählen muß. Also wieder zurück.
Diesmal mit einem anderen Assistenten gesprochen – welcher gar kein Deutsch konnte. Wozu auch? Nur weil er im österreichischen Konsulat arbeitet? Deutschkenntnisse werden überbewertet.
Wie auch immer. Sehr äußerst wiederwillig stimmt er dann zu, daß ich vom dortigem Telephon aus den Konsul anrufe.
Und ich wurde dann überrascht: Nix war mit wortlos den Hörer in die Hand drücken! Sogar brav hat er gewartet, bis die Sekretärin den Konsul am Rohr hatte. Kurz mich angekündigt und dann mit einem Ansatz eines Lächelns mir den Hörer übergeben. Österreich ist also doch kein Entwicklungsland. Beruhigend. (Einer der wenigen positiven Aspekte des heutigen Tages übrigens.)
Dann kurz mit dem Konsul meine Situation beplaudert – welcher übrigens wirklich äußerst zuvorkommend war. Meiner Bitte nach einer kurzen schriftlichen Bestätigung, daß ich hier vorstellig war und mit meinem Motorrad eben liegen geblieben bin, konnte er aber nicht nachkommen. Ein Konsulat kann solche Schriftsätze leider nicht ausstellen. Aber er schlägt mir vor, doch zur Touristenpolizei zu gehen. Und dort mir das bestätigen zu lassen. Und wenn ich dabei dann Probleme habe, kann ich ihn gerne noch mal anrufen und er wird dann intervenieren. Fand ich schon mal wirklich nett.
Nun ja. Letzendlich aber dann wieder ohne etwas in der Hand bin ich dann von dannen gezogen.
Hmmmmm... Nur wo ist denn wieder das Büro der Touristenpolizei? Im Konsulat wußte es dann niemand. Und schickten mich zur Touristeninfo. Die würden das doch auf jeden Fall wissen.
Ähem. Pontius läßt grüßen.
Auf jeden Fall dann eben bei der „Touri-Info" vorbeigeschaut. Und wieder mal meine Situation erklärt. Ähem. Hatte ich ja heute schon mal. Und die meinten, daß das Büro aber wieder ganz woanders ist. Aber eigentlich würden sie mir ja die „Policía de Transito" empfehlen. Die stellen eben solche Bescheide aus – damit ich dann beim Zoll wieder keine Probleme mit meiner Situation habe.
Sicherheitshalber dann am Weg auch noch ein paar Touristenpolizisten auf der Straße angesprochen. Und meine Situation erklärt. Und die bestätigen mir – „Ja,ja. Ich muß dafür zur Policía de Transito".
Ok. Ähem...
Also das Problem mit der Überschreitung des Visums werde ich heute nicht lösen. Was soll´s. Ich habe ja letztendlich ja auch noch eine andere Baustelle. Nicht wahr?
MrC. Und die Ersatzteilbeschaffung.
Das Viertel San Pedro ist ja gleich ums Eck. Nur ein paar Straßen weiter. Und dort gibt´s jede Menge Fahrzeugzubehör Geschäfte.
Tja. Ich kürz es ab. Ich glaub ich war in 100 Geschäften drin. Hab das Zündsteuergerät und meine Zündspule gesucht. Letztendlich dann zumindest ein Zündsteuergerät aufgetrieben, was von den Anschlüssen her paßt – wenn gleich aber das Gehäuse viel größer war. Und um 290 Bolivianos (29€) auch nicht wirklich günstig war. Aber besser als nach dem heutigen Tag gar nichts in der Hand zu haben. Weil meine Ersatzteile gab´s nämlich genau nirgends.
Die einzige weitere Sache, die ich heute wenigstens erledigen konnte war mein „Mannfilter"-Ölfilter. Es gab dann ein Geschäft, welches die sogar sofort vorrätig hatten. Kein Problem. Und kosten auch nur 65 Bolivianos (6,5€). Die Alternative war ein billiger Nachbau. Um 45 Bolivianos (4,5€).
Nun gut. Schnell zugeschlagen.
...Nach einiger Zeit in Südamerika bekommt man dann ein ein spezielles Gefühl. Wenn alles zu einfach geht. Und man gratis ein Plastiksackerl angeboten bekommt, obwohl man gar nicht danach fragt. Oder wenn man 2 Filter kauft, automatisch nur mehr 60 Bolivianos pro Filter bezahlt. Oder diese überfreundliche Art, ob man sonst noch was benötigen würde.
Hmmmm... Tja. Im nächsten Geschäft dann gefragt, was diese Filter denn normal kosten.
...45 Bolivianos. Ohne Rechnung 40 Bolivianos. Also um die Hälfte überteuert gekauft.
Ach. Was soll´s. Nach dem ganzen Herumlaufen – ich war schon seit 4 Stunden am Marschieren - war ich auch nicht mehr so fit.
Habe ich eigentlich erwähnt, daß La Paz auf rund 3900m Seehöhe liegt? Gut, wenn man da zu Fuß unterwegs ist. Lustig ist nur – bei dem Verkehr ist man mit einem Taxi sogar langsamer.
Anyway.
Zeit für Mittagsfutter. Einfach nur essen. An nichts denken. Gemütlich vielleicht im Internet surfen.
Ähem. Also wieder mal Theorie. In der Praxis habe ich dann in der Stunde einen Crashkurs in Zündspulen und deren Verdrahtungen gemacht. Innenwiderstände und Testaufbauten zum Troubleshooting von Zündproblemen. Kompatibilität von Zündsteuermodulen zu verschiedenen BMW Modellen.
Nun gut. Wenn ich schon ein Arbeitsessen hatte, beruhigte mich der Gedanke, daß Valentin und sein Sohn mittlerweile schon fast fertig seien mit den Arbeiten an MrC. Die LKW-Spiegelhalter. Die Vergrößerung des Freiraums um den Reifen, damit sich da kein Schlamm anhäufen kann. Die ganzen neu in Rurrenabaque gemachten Verstrebungen noch mit zusätzlichen Verstärkungen ergänzt. Und dann alles noch mit einer roten Farbe überzogen.
Welch Freude!
Ähem. Schon wieder mal die Theorie. Habe ich die Praxis erwähnt?
Wie ich dann nach der einstündigen Anreise dann endlich um rund 15:00 ankam, waren sie gerade dabei die ausgedachte LKW Spiegel Halterung anzuhalten um zu schauen, ob das so ginge. Und sonst nichts. Gar nichts gemacht.
Und sie haben sich zielsicher das unwichtigste aus meiner ToDo Liste herausgepickt.
Nun gut. Im Projektmanagement ist man ja solche Situationen gewöhnt. Aufregen bringt nix. Kurz erklärt, warum ich eben so meinen Zeitdruck habe. Kurz diskutiert, wie wir die Kuh schnell vom Eis kriegen. In welcher Reigenfolge was noch erledigt werden muß. Und dann halt machen lassen.
Werte Leser – fragt mich bitte allerdings nicht, wie ich mich innerlich gefühlt habe.
...Hier und da vergess ich übrigens, daß Arbeit hier in Südamerika nicht in Dollar bezahlt wird. Sondern mit Nerven.
Es kommen dann so kleine Vorkommnisse wie: Lackieren im starken (und auch staubigen) Wind auf der Straße ist eine suboptimale Idee. (Jeder der mal lackiert hat, kennt den feinen Sprühnebel, der sich dann ÜBERALL ablagert. Aber nicht dort, wo er soll)
Und mit der eingeschalteten Elektrode eines Lichtbogenschweißgerät in den Seitenwagen zu klettern ist eine Sache. Dabei ca. 10cm vom Einfüllstutzen versehentlich beinah am Tank anzukommen ist eine andere.
Aber vielleicht bin ich ja auch übersensibel.

Nun gut. Auf jeden Fall. Das eigentliche Problem ist ein anderes. Nämlich: wenn man mit einem Lichtbogenschweißgerät arbeitet, muß man die Batterie abklemmen, weil sonst die ganzen elektrischen Komponenten eben Schaden nehmen können.
...was aber in weiterer Folge auch bedeutet, daß das wichtigste des ganzen Tages warten mußte. Nämlich das ausprobieren, ob ein neues Zündsteuergerät meine Probleme löst.
Um 18:15 wurde MrC endlich von der Schweißwerkstatt in die Werkstatt von Valentin zurückgeschoben. Einige Arbeiten habe ich dann auf morgen verschoben.
18:15 bedeutet aber ein paar Minuten vor Sonnenuntergang hier. Und dann ist normalerweise hard-cut Ende mit Arbeiten hier. (Ordentliche Lichtanlagen hat hier übrigens keine Werkstatt!)
Tja. Daß die Batterie von MrC vollkommen leer war erwähne ich hier nicht weiter. Kann man ja schnell mit einer anderen LKW-Batterie lösen. Warum die leer ist? Nun ja. Ich habe da ein paar Mal / öfters gestarter um MrC überhaupt in die Werkstatt zu bekommen. Jeweils 100m bin ich ja gekommen, bevor der Motor abgestorben ist. Aber trotzdem war die Batterie nicht wirklich leer wie ich gegangen bin. Sehr strange.
Anyway. Was mich mehr beunruhigt ist, daß der Anlasser plötzlich auch wieder kreischende Geräusche macht – was mit meinem eigentlichem Problem, daß ich den Motor mittlerweile gar nicht mehr starten kann, gar nichts zu tun hat.

Und eh kloa, daß mein neues Zündsteuergerät gar nichts an dem Problem geändert hat.
Und das beste an der ganzen Sache. Ich habe - im Vergleich zwischen Valentin, seinem Sohn Diego und mir - am meisten Ahnung über die ganze Problematik mit MrC.
Nur zu einem wirklichen Elektro-Spezialisten zu fahren ist halt nicht. Weder weil es hier in La Paz einfach eben keinen gibt. Und eben weil ich MrC nicht wirklich bewegen kann.
Hmmmmmmm...
Danke, lieber Gott, daß  Du uns Alkohol geschenkt hast!
Prost!

Sonntag, 25. September 2011

Es könnte ja alles so nett sein...

Tja. Was für ein Tag.

So ganz allein in La Paz. Mit einem kaputten Bike...

Dann durch die nette (Email-)Hilfe von Freunden motiviert den Tag anzugehen. Den ganzen Tag auf einem Flohmarkt verbracht – der Feria bei der Avenida 16 de Julio. Die Fläche des Teils, wo ich mich nur aufgehalten habe, war allein ungefähr so groß wie die Shoppingcity bei uns in Wien (eines der größten Shoppingscenters in Europa): nämlich die Ersatzteilecke für Fahrzeuge.

Ach. Und ich hätte da Stunden verbringen können. Naja. Eigentlich habe ich´s auch gemacht – von ca. 10:00 bis ca. 15:00. Nichts anders getan als gestöbert. Geschaut was ich so brauchen könnte. Und letztendlich auch kräftig zugeschlagen. Ich habe mir riesige LKW Spiegel (a 25 und 45 Bolivianos, 2,5€ und 4,5€) für MrC gekauft. Dann einen Reifenluftdruckmesser in Kugelschreiberform (10 Bol., 1€). Einen Gummi-Streifen des Reifens a 10 Bol (1€) – sowas ist ja immer praktisch.

Tja. Und Anlasser habe ich dort zu Hauf gesehen – zumindest 1000 Stück. Also gut zu wissen, falls ich doch wieder mal einen brauche... :-P

Auch wenn ich das, was ich gesucht habe, partout nicht finden konnte: mein Zündsteuergerät und meine Zündspule. Aber sonst hätte ich mit den Teilen vor Ort ein zweites Motorradgespann aufbauen können...

 

Und ich habe oft an Fred, meinen Engel - der mich in die Kunst der Motorradtechnik eingeführt hatte, gedacht. Wer hätte vor 10 Monaten geglaubt, daß ich jetzt MrC umbaue. Mich über Zündsteuergeräte, Zündspulen und verdreckte Vergaser unterhalte. Und das alles noch auf Spanisch.

Tja. Ich bin ja lernwillig. War ich schon immer... (Oder notgedrungenermaßen?... Hüstel, hüstel)

 

Und voller Elan nach diesem interessantem Flohmarkt Besuch bin ich dann zu Valentin, dem Mechaniker, und Diego – seinem Sohn, in die Werkstatt zurück. Habe die diversen Arbeiten besprochen, die ich sie bitten würde für mich zu erledigen: Verstärkungen an meinen Gepäckhalterungen - die ich beim letzten Mechaniker in Rurrenabaque aus Zeitmangel nicht mehr machen lassen konnte, den sehr engen Bereich des (zu großen) Ballonreifens zum Rahmen umarbeiten, meine riesigen LKW-Spiegel montieren – die derzeitigen sind mir halt einfach zu klein - und alles zusammen dann noch mit einer roten Rostschutzfarbe lackieren. Wegen letzterem: ich bin ich ja so unter Zeitdruck, daß ich diese einfache Sache, die ich selber vor hatte zu erledigen, dann nicht selbst machen kann – und so nutze ich die Zeit für MrC wenigstens in der Werkstatt.

Am Nachmittag plane ich dann mit meinen hoffentlich gefundenen Ersatzteile zu kommen und dann das eigentliche (Elektrik-)Problem des Motors anzugehen.

Tja.

Aber jetzt kommt wieder das spannende: das Traveller-Network funktioniert. Und so haben mir Frank, ein lieber Mit-Motorradfahrer – welcher immer ausgezeichnet informiert ist, und Kurt mir folgende Zeilen geschickt. Welche mich plötzlich ziemlich unruhig machen. Ach wie schön, solche Hiobsbotschaften zu hören...

 

Hallo Philipe,

 

ich habe gerade mit Kurt gesprochen. Dein Visum ist ja abgelaufen, das macht wahrscheinlich 20BOB pro Tag, ist also erträglich. Wie sieht es denn mit Deinen temporären Importpapieren für MrC aus? Falls die auch abgelaufen sind, kann es Dir passieren, daß sie an der Grenze die GESAMTEN Einfuhrsteuern von Dir wollen. Kurt erzählte von einem Schweizer, der mit seinem Merzedes Sprinter in Kolumbien nur 11 Stunden zu spät an der Grenze nach Equador ankam und mit einer Forderung von US$ 5000 konfrontiert wurde. Er hatte auch technische Probleme gehabt und als er die Werkstattbelege vorlegte mußte er am Ende nur US$ 200 bezahlen.

 

Viele Grüße

Frank

 

Ach. Das Leben ist Abenteuer. Also morgen dann neben dem Besuch der Ersatzteilgeschäfte, wo ich hoffe das Zündsteuergerät und meine Zündspule aufzutreiben noch ein schneller Besuch beim Zoll. Paperwork wartet. Wie erfreulich.

Samstag, 24. September 2011

Zündsteuergeräte werden überbewertet

Ich könnte jetzt in epischer Breite mich über die letzten Tage auslassen. Wie ich die Strecke von Caranavi nach Coroico - enge Bergstrasse - entlang gehoppelt bin. Bin mit dem kaputten Stoßdämpfer.

Wie ich auf dieser schmalen Straße – umgangssprachlich hier auch Death Road genannt – als Geisterfahrer auf der RECHTEN Seite gefahren bin (hier fährt man nämlich auf diesem Teil immer LINKS). Auf der rechten Seite deswegen, weil dort das Bankett weniger Schlaglöcher hatte und dies meinen schlecht funktionierenden Stoßdämpfer geschont hat. Und es dort aber rund 100m vertikal direkt nach unten ging – jeder Fahrfehler hätte da einen gratis Paragleitkurs geschenkt. (Und weils so billig wär, nur leider ohne Schirm)

Oder daß auf der Strecke von Coroico nach la Paz meine erste Regenfahrt innerhalb von 10! Monaten war – und ich deswegen sogar das erste Mal meinen Regenoverall ausprobiert habe. Oder, daß mir eigentlich Regenfahrten mit einem Gespann (und der richtigen Ausrüstung) beinah Spaß machen – so ganz nah am Unwetter aber trotzdem warm und trocken. Oder: weil ich am schnellsten Weg nach Ecuador wollte, um dort ein paar Freunde zu treffen, daß ich mich heute von Susan verabschiedet habe, und sie in ihrer quirligen Art lieb gewonnen habe.

Aber das wäre doch alles langweilig.

Weil: Bolivien hat mich lieb. Oder MrC zumindest. Oder MrC hat Bolivien lieb. Ach. Was auch immer.

Wie ich dann heute in der früh aufgebrochen bin, hat es leicht genieselt. Ist ja nicht so schlimm. Echte Männer macht das ja nichts (...mit dem richtigen Equipment)

Habe mich trotzdem aufs Bike geschwungen. Und abgerauscht.

Tja. Nicht weit. Weil nach kurzer Fahrt gab´s eine Strassensperre. Irgendwelche Fahrradfahrer, die irgendwas machten. Und somit die Straße für über eine Stunde sperrten. Ist ja nicht so schlimm. Weil MrC war eh nicht so ganz fit. Er wollte nicht so wirklich ziehen. Und so nutzte ich die Zeit um kleinere 145er Hauptdüsen einzubauen und sicherheitshalber auch gleich brandneue Zündkerzen – man weiß ja nie. Bevor´s Probleme gibt lieber prophylaktisch tauschen.

Dann am Strassenrand noch schnell ein kleines Mittagsessen. Und...

...Hagel.

Genau das was man braucht. Aber was soll´s - Mann hat ja das richtige Equipment.

...Und abgerauscht.

Tja. Nicht weit.

Weil MrC ist nach ein paar hundert Metern einfach ausgegangen. Einfach so. Weil ihm fad war.

Und nach hundert Metern wieder. Und wieder.

Somit habe ich mich dann mit einigen Startversuchen zu einer Autowerkstatt geschleppt.

Alles nicht so schlimm. Ist das Zündsteuergerät. Aber ist nur ziemlich feucht. Einfach mit ein bisserl Pressluft trockenblasen. Wasserdicht einpacken. Nichts für das ganze verrechnen. Wird keine weiteren Probleme mehr machen. Und danach: abgerauscht.

Tja. Nicht weit.

Weil das gleiche blieb. Gerade mal hundert Meter.

Also wieder zurück zur Werkstatt gerollt. MrC dort abgestellt. Kameratasche mit Laptop geschnappt. Sicherheitshalber meine Zahnbürste – weil man weiß ja nie. Und noch schnell in eine etwas bequemere Hose. Aber sonst mit Motorrad Gear. Und mit dem Taxi die 30min in die Stadt zurück. (80 Bolivianos, 8€)

Tja. Die gute Nachricht: Ich mag La Paz.

Die schlechte Nachricht: Alle Ersatzteilgeschäfte hier haben bereits Wochenende. Und sperren hier erst wieder am Montag auf.

Und ich keine Wäsche – nur meine „geruchsintensive" Motorradwäsche. Naja. Kleidung wird auch überbewertet.

Shit. Ich brauch Alkohol.

Freitag, 23. September 2011

[2011-09-19, 21:30] Stoßdämpfer werden überbewertet

Ach. Welch Gefühl.

In Rurre, wie es die Einheimischen nennen – Rurrenabaque – MrC´s Anlasser Probleme gefixed. Gestern in der Früh alles aufgepackt. Abmarschbereit.

Nur noch 2 Sachen auf der ToDo Liste: Rostschutzfarbe für MrC kaufen. Und noch schnell Dollar in Bolivianos wechseln.

Tja. Ersteres war kein Problem – die Sprühdose um 25 Bolivianos war nach ein bisserl herumfragen schnell gefunden.

..aber das Geldwechseln. Hmmmm. Ist ja nicht so, daß alle Dollars gewechselt werden. Es gibt Seriennummern, die halt nicht gewechselt werden – so wie es Susan passiert ist. Sie hat keine Notreserven mehr – und ihr letzter 100 Dollar Schein wird nicht akzeptiert.

Aber ist ja alles kein Problem – ich habe ja auch noch Dollar.

...welche aber auch nicht alle gewechselt werden. Weil meine sind eingerissen. Und die nimmt die Bank nicht an...

Schmarrn aber auch. Also gerade mal noch 60 Dollar in rund 500 Bolivianos gewechselt. Soviel brauch ich ja nicht bis nach Peru rüber. 3 Tage gemütliches rollen und ich bin über die Grenze. Und hier in Bolivien kostet eine Übernachtung rund 30 Bolivianos. Essen rund 20. Also geht sich doch alles super aus.

Ähem. Das nun zur Theorie.

Tja. Die Praxis: Rund 20km nach Rurre hat MrC beschlossen sich eine Ölkühlung zu spendieren. Sprich den Inhalt des Öl-Behälters meines Stoßdämpfer des Seitenwagen gleichmäßig über die rechte Seite zu verteilen. Über alles was da so dort ist: Boxen, Plastiktaschen. Alles voll.

Und dann hat er aber beschlossen, daß Stoßdämpfer überflüssig sind. Und diesen dann bei voller Fahrt beschlossen ihn zu demontieren. Ist ihm aber nicht vollständig gelungen – der im Auge gebrochene Stoßdämpfer hat sich dann am Rahmen von allein abgestützt.

Nun ja technische Details.

In einem kleinem Pueblito habe ich dann gehalten um mir das ganze mal anzuschauen. Auf Grund des Staubes habe ich immer einiges Abstand zu Susan und sie ist somit vorgefahen gewesen. Aber es war nicht so, daß ich bei der Untersuchung dann meines Problems allein gewesen wäre. Innerhalb ein paar Minuten war ich dann umringt von einer Schar von Kids, die mir dann genau über die Schulter geschaut haben, was ich denn so mache.

Aber ist ja alles nicht so schlimm. Es gibt ja einen Schweisser sogar in diesem Örtchen. Naja. Eher Häuseransammlung. Also Glück im Unglück gehabt.

Ach. Habe ich übrigens schon erwähnt, daß gestern Sonntag war. Und der Schweisser natürlich nicht im Ort ist...

Nun gut. Spanngurte sind ja Dein bester Freund. (Nebst Panzerband. Aber das ist ein anderes Thema) Also schnell den oberen Teil des Stoßdämpfers mit einem Spanngurt am Rahmen angegurtet und dann weitergerollt. Rund 60km in die nächste Ortschaft. Aber es ist ja nicht so, daß es Asphaltstraßen sind. Nope. Klarerweise Straßen mit dezenten Schlaglöchern. So rund einen halben Meter tief.

Ich war ein nervliches Wrack, wie ich dann mit meiner Bandlösung diese Strecke gefahren bin...

 

Aber dann hatte ich Glück. Im nächsten Ort gab´s dann wirklich eine Motorrad Werkstatt.

Der Mechaniker – und der erste übrigens, dessen Namen ich nicht weiß – bat mich nur den Stoßdämpfer auszubauen, dann schweißt er ihn wieder zusammen. Alles kein Problem.

Gut – ich also gemacht. Getan. Sind ja nur 2 M13 Schrauben, die den Stoßdämpfer am Rahmen festhalten.

Die gute Nachricht – die untere Schraube ist dabei so montiert gewesen, daß wenn man die dazugehörige Mutter verliert, die Schraube wenn sie sich hinausrüttelt, von der (übrigens rotierenden) Bremsscheibe gestoppt wird. Genau an der Stelle wo die Muttern der Bremsscheibenschrauben vorbeirattern.

Die schlechte Nachricht: Wenn man diese Schraube eben demontieren will, muß man die Bemsscheibe ausbauen. Dafür muß man aber wiederum die gesamte Bremsanlage demontieren. Eh kloa.

Nun gut. Hatte ich bis dahin eh noch nie gemacht. (Und weil ich grad dran war, habe ich festgestellt, daß der Bremsbelag der einen Bremsbacke schon fast ganz unten war – bestenfalls ein Zehntel Millimeter noch übrig. Aber das ist ein schon lang bekanntes Problem – Reter Pömer* [*Name von der Redaktion geändert] hat schon vor meiner Abfahrt aus Europa die Seitenwagenbremse nicht reparieren können. Was dazu führt, daß diese einerseits furchtbar quietscht – man hört mich teilweise schon hunderte Meter vorab.

Und andererseits der eine Bremsbelag extrem schnell verschleißt. Nun gut.  Technische Details halt. Ich sollte mich langsam eigentlich daran gewöhnen. Ob es allerdings sinnvoller gewesen wäre, da vor Abfahrt eine andere zu organisieren, hinterfrage ich da nicht weiter.)

 

Auf jeden Fall, wie ich dann mit dem endlich ausgebautem Stoßdämpfer in den (öligen) Händen dem Mechaniker entgegen trete, sagt er mir: „Ach. Sorry. Das ist ein Aluminium Teil, welches gebrochen ist. Schweißgerät habe ich. Nur leider keine Elektroden für Aluminium – nur für Eisen. Ist mir vorhin gerade eben ausgegangen." Ach. Technische Details.

Naja. Nach 3 Stunden - dafür hat er dann 50 Bolivianos (5€) verlangt - haben wir es dann endlich nach einigem überlegen geschafft einen Eisenteil an einen Bereich anzuschweissen, der eben auch aus Eisen besteht. Das ich diesen Stoßdämpfer kübeln kann war mir eh schon klar...

Tja. Also am besten einfach einen neuen Stoßdämpfer kaufen und weiter geht´s.

Das lustige an der Geschichte: Magda, eine liebe Freundin bringt mir aus Europa ein paar Ersatzteile mit. Unter anderem auch diesen Stoßdämpfer.

Leider fliegt sie nicht nach Bolivien. Sondern nach Ecuador. Rund 3000km entfernt.

Ist ja alles nicht so schlimm. Setz ich mich halt in den Bus. Hol mir die Teile aus Ecuador und komm zurück. Bau es ein und fahr weiter.

Theorie und wieder Praxis: Mein Visum läuft noch immer per 24.9 ab. Und dann ist halt nix mehr mit Rückkehr nach Bolivien in diesem Jahr. So ist das Gesetz – die 90 Tage habe ich dann ausgeschöpft.

Sprich also: ich muß aber mit MrC nach Peru rüber. Und das sind aber noch rund 1000km. Und Großteil aber Ripio. Mit Schlaglöchern, die... Eh schon wissen. Technische Details.

Übernachtet haben wir dann noch in einem Gasthaus. Naja.  Eigentlich auf der Veranda im Zelt. War aber auch ok

Nach dem Tag war ich eh etwas leicht streichfähig.

Heute sind wir dann weiter Richtung Caranavi aufgebrochen. Ähem. Nach rund 1km mußte ich das erste Mal stehen bleiben.

Ein regelmäßiger Stoß ging quer durch´s ganze Fahrzeug.

...Und es hat sich herausgestellt, daß MrC dann beim Ausfedern durch die fehlende Dämpfung so stark auslenkt – wie ein Gummiball – daß er an die maximale Auslenkung des Trägerarms kommt. Sprich das auf Grund zB eines Bodenloches herunterfallende Rad fällt dann in den Trägerarm hinein. Und dieser Schlag setzt sich dann über die Karosserie in das ganze Fahrzeug fort...

 

...und Spanngurte sind Dein bester Freund. Ich habe dann versucht mit einem Spanngurt die maximale Auslenkung des Tragarmes zu begrenzen, sodaß eben das Lager nicht ausgeschlagen wird. War aber nur mäßig erfolgreich. 2 Spanngurte später weiß ich, daß das keine dauerhafte Lösung ist.

Und nachdem gerade um 17:30 der zweite Spanngurt gerissen ist, habe ich es für heute aufgegeben. Ich muß mir da irgendetwas mit einer Gummilösung überlegen. Aber morgen ist ja auch noch ein Tag.

Heute denke ich darüber nicht mehr nach – bestenfalls noch ein bisserl Morpheus streicheln. Aber das ist das nette an dem heutigen Tag: Ich habe Unterschlupf bei einem älterem Ehepaar hier gefunden, die mich hier in ihrem Garten campieren lassen. Sehr fein.

 

Statistik des heutigen Tages:

0             Anzahl Tage ohne technische Gebrechen

[2011-09-21, 11:18] Maximalgeschwindigkeit des gestrigen Tages: 24,9km/h

Nun ja. Ich habe mir dann aus einem Fahrradschlauch und einem Spanngurt noch im Vorgarten von Antonio, dem freundlichen Besitzer, der uns da Unterschlupf in Colonia San Pablo über die Nacht gewährt hatte, eine rudimentäre Zugstufe eines Stoßdämpfers gebastelt: sprich, daß das Federbein dann beim Ausfedern nicht mehr gegen den Rahmen schlägt, sondern „natürlich“ begrenzt ist.

Das schwierige dabei ist, den Spanngurt so fest zu ziehen, daß die Vorspannung des Gummiteils ausreicht den in eine Grube fallenden Reifen aufzufangen. Der Spanngurt darf aber dabei nicht so verlegt sein, daß die permanente Auf- und Abbewegung des Rades dazu führt, daß er sich irgendwo aufreibt – das bedeutet also nur um irgendwelche Rundungen geworfen werden. Der Lack geht dort zwar ab. Aber das ist mein kleinstes Problem.

Ist nämlich nicht so trivial sich da was auszutüfteln. Eine weitere Schwierigkeit ist dabei, daß das Federbein ja eben auch einfedert – sprich sich um rund 10cm verkürzt. Und die dann entspannte Fahrradschlauch/Spanngurtlösung muß dann durch ein weiteres Gummiband – ähnlich wie eine Armbrust – unter Spannung gehalten werden, sodaß es nicht irgendwo unkontrolliert anstößt.

Im Großen und Ganzen hat es eigentlich recht gut geklappt. Die ganz harten Stöße habe ich dabei wegbekommen. Aber hier und da schlägt es noch immer auf dieser extrem welligen Ripiostraße durch. Allerdings: auf weichen Eiern langsam zu fahren bin ich ja mittlerweile schon gewohnt.

Nun gut. Zeit habe ich ja. Es ist ja nicht so, daß ich in 3 Tagen aus Bolivien draussen sein müßte, weil mein Visum ausläuft. Ach. Technische Details.

 

Uns wurde dann gesagt, daß es in Sapecho eine Werkstatt gibt, die mir da weiterhelfen kann.

In Sapecho wurde mir dann gesagt, daß es in dem nächsten Dorf eine Werkstatt gibt, die mir weiterhelfen kann. Dort habe ich dann meinen Reifen abmontiert und meinen Stoßdämpfer demontiert um dem Mechaniker mein Problem zeigen zu können.

Und hier haben wir wieder die Unterscheidung zwischen guten und schlechten Mechanikern. Die guten finden auch für ungewöhnliche Probleme eine Lösung. Die schlechten...

Nun ja sagen wir so: das gute an dem Besuch der Werkstatt war, daß ich geübt habe, den Stoßdämpfer auzubauen. (19er Schlüssel für den Reifen, idealerweise zwei - 17er für den Stoßdämpfer)

 

Auf jeden Fall ist ja alles nicht so schlimm. Beim Herumfragen hat man uns gesagt, daß es in „Cincuenta y Dos“ eine Werkstatt gibt.

Zweiundfünfzig – die deutsche Übersetzung – hat nicht besonders viel Sexappeal. Sprich – eine staubige Ansammlung von 10 Häusern. Alle entlang der Hauptstraße aufgefädelt. Einen Mechaniker suchen und dort eine Nacht blieben? Aber nirgendwo wo man die Fahrzeuge einstellen kann? Sprich MrC auf der Straße stehen lassen? Einen tiefen Blick in Susan´s Augen später – und weiter gings.

Habe ich übrigens schon die lobenswerten bolivianischen Infrastrukturbemühungen erwähnt? Die großen Straßenbaupläne, die derzeit realisiert werden?

..weil weiter ging´s nicht sonderlich viel. Gerade mal 900m: Straßensperrung wegen Baustelle. Öffnungszeiten: von 17:00 bis 08:00 früh und Mittags dann von 12:00 bis 14:00. Die erste von dreien auf dem Weg nach Caranavi.

 

Bis Caranavi sind´s noch 68km. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 20 km - also 3 ½ Stunden. Um 18:30 wird´s dunkel.  Die Pforte öffnet sich um 17:00. Ergibt: ...

...Wildcampen.

Ich habe ja alles dabei. Ein Vier-Personen-Zelt (Habe ich das schon erwähnt?  :-P  ), etwas – aber ausreichend - Wasser, Essen, Akkus aufgeladen für einen netten Videoabend. Also spricht doch nichts gegen das Campieren irgendwo.

Tja. Theoretisch.

Praktisch ist es nicht so einfach. Weil dieser Teil der Strecke ist wirklich wunderschön: kurvig sich an irgendwelchen Bergen entlang schmiegend. Tiefe Täler. Herrlicher Blick in den tropischen Regenwald.

...aber keine halbwegs sichtgeschützten ebenen Flächen.

Aber jetzt kommen wieder die bolivianischen Straßenbaupläne ins Spiel. Dank derer gibt´s nämlich in den Baustellenbereichen immer wieder irgendwelche Erdwälle, wo die abgetragene Erde aufgeschüttet wird. Sehr praktisch. Frisch für uns gemacht gab´s da durch Bäume von der Straße geschützt eine schön große freie Fläche mit einem herrlichen Blick über ein Tal. Direkt daneben eine unbewohnte Hütte – sogar mit einem Wasseranschluß. Sehr fein.

Es gab nur zwei kleine Nachteile. Der erste: Die ganze Erde war ganz frisch aufgeschüttet. Sprich das hineinfahren war in der lockeren Erde etwas trickreich, weil die Fahrzeuge etwas eingesunken sind. Und der zweite: Der Platz war direkt neben der Straße. Das bedeutet, daß die in der Nacht vorbeifahrenden Fahrzeuge den ganzen Puderstaub aufgewirbelt haben – welcher sich dann kontinuierlich überall absetzte. Er war teilweise so stark, daß ich durch die eigene Stirnlampe geblendet wurde und diese absetzen mußte.

Aber der liebe Gott hatte ein Nachsehen mit uns. Er schickte uns mitten in der Nacht Regen. Und um sicherzugehen - derer nicht zuwenig.

Eigentlich wollten wir um 05:00 aufstehen um durch die dritte Baustelle, die die Fahrzeuge nur gestaffelt durchläßt, durchzuhuschen.

Aber bei dem Regen? Das Zelt und alles feucht? Na. Da schlafen wir lieber noch ein Runderl weiter und huschen in der Mittagsrunde durch.

 

Tja. Nach dem Weiterschlafen kurz mal rausgeschaut. Sichtweiten um die 10m – der Nebel und der Regen blockiert alles. Also so wie es ausschaut, doch einen ganzen Tag hier bleiben.

...nur bei dem Regen schwimmt langsam das Zelt davon. Also „kurz“ mal eben mit dem Spaten eine Regenwasserrinne um das Zelt gegraben. Die gute Nachricht: der Boden ist sehr weich. Dafür aber schön feucht und schwer. Nach nur einer Stunde im strömenden Regen war ich fertig.

Nur: habe ich übrigens schon Nachteil Nummer eins erwähnt? Das Einsinken der Fahrzeuge in die lose Erde?

Keine Ahnung, was mich da beim Losfahren erwartet. Ach. Technische Feinheiten.

Donnerstag, 22. September 2011

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Dienstag, 20. September 2011

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Samstag, 17. September 2011

Duftnoten - aber bei einem Gespann? [Pics]

Heute war wieder ein Tag in der Sprachschule. Inhalt der Stunde: Umbauten an einem Motorrad-Gespann und dafür notwendige Teilebeschaffung.
Gestern am Nachmittag war ich ja noch bei Jesus und dieser hat mir ein Loch für meinen neuen Anlasser-Schalter in meinen Sicherungskasten gebohrt.
Und nachdem ich ein gutes Gefühl bei ihm hatte, habe ich heute um 09:00 einen Termin mit ihm vereinbart, damit er ein paar Schweißarbeiten an MrC durchführt.
Und so war es dann auch heute. In der Früh MrC abgeliefert. Dann mit Jesus die Arbeiten besprochen - derer nicht zu wenige: eine Halterung für meinen Ersatzreifen (damit ich den nicht immer in die Fahrgastzelle legen muß), eine Brüstung / Umrandung für meine Zelttasche (damit ich bei der Fahrt nicht immer Angst haben muß, daß ich diese verliere), den Kotflügel an meinem Seitwenwagen höher gelegt (da dieser ja bei tiefen Löchern am Reifen schleift) - und dann noch darüber eine Platte befestigt, sodaß ich dort auch noch eine (wenn auch kleine)Tasche unterbringen kann. Zu guter Letzt noch mal ein neues Gewinde für die Halterung meiner Hinterradbremse anschweißen lassen, da ersteres den Kontakt mit einem großem Stein während einer Flußquerung nicht überlebt hat.
Und danach ging´s daran passende Schrauben und Muttern aufzutreiben, damit diese dann von Jesus angeschweißt werden können.
Nachdem ja die Qualität der Arbeiten hier in Südamerika direkt proportional zu der Anzahl der Besuche in der Werkstatt während der Arbeiten ist, habe ich ca. jede Stunde den 15 minütigen Marsch zur Werkstatt unternommen. Ein paar Sachen besprochen. Ein paar Sachen selber gemacht.
...und dann wieder zu irgendeinem Geschäft gepilgert um diverse Teile aufzutreiben.
Laut Weather Underground hatte es hier in Rurrenabaque 32C. Dies aber gemessen. Laut dieser Website entspricht aber die hier vom Menschen wahrgenommene Temperatur 41C. Eh kloa, daß ich da zu Fuß unterwegs war.

Aber nach 5 Besuchen war es dann um genau 18:00 so weit. Die endgültige Übernahme steht an.
Aber warum genau 18:00? Und das aber in Südamerika? Wie kann das sein? Tja. Hier in Rurrenabaque ist es verboten nach genau dieser Zeit zu schweissen. Ich habe zwar nicht genau durchschaut, warum dies so ist. Ist aber so.
Jesus wollte mich schon bei meinem 17:00 Besuch auf morgen vertrösten. Aber mit ein bisserl Schmäh hat er mir dann zumindest versprochen sein bestes zu geben um doch noch heute fertig zu werden. Was er dann doch auch glatt eingehalten hat. Naja. Sprich um 18:00 war er dann wirklich mit allen Schweißarbeiten fertig. Aber ein paar Restarbeiten hat er dann doch noch später erledigt - zB. Das Bohren der Löcher für die Spanngurte, oder Reifen festschrauben. Kleinigkeiten halt.
Aber das Resultat ist klasse. Ich freu mich wie ein Schneekönig. Endlich hat MrC ein paar persönliche Duftnoten von mir - so wie ich ihn mir halt immer vorgestellt habe.
Das einzige was derzeit noch fehlt ist ein Rostschutz. Aber der kommt auch noch drauf.
Nach der Bezahlung des ganzen Materials und der Arbeitszeit (450 Bolivianos, 45 Euro) mußte ich dann noch schnell das Zündsteuergerät und die Batterie anstecken. In Sucre hat mir mein Mechaniker damals eine Horrorgeschichte erzählt, daß ihm einmal beim Schweißen ein Zündsteuergerät durchgeschmort ist - im Prinzip funktioniert ja das Lichtbogenschweißen derart, daß der Handteil des Schweißgerätes eine Elektrode ist, der Rahmen des Fahrzeuges mit dem "Kasten" des Schweißgerätes verbunden wird und dadurch alles zusammen einen elektrischen Kreislauf bildet. Sprich aber, daß da einige Ströme fliessen. Nachdem da einige Ampere durchgehen - und diese manchmal halt eine falsche Abzweigng nehmen, kann da schon einiges schief gehen...
Also sicherheitshalber alles abgeklemmt, was irgendwie elektronisch sein kann... Noch ein weiteres Zündsteuergerät wie in Sucre bei dem anderen Mechaniker habe ich ja schließlich nicht mehr mit.
Anyway. Technische Details.
Auf jeden Fall bin ich dann mit einem dicken Grinsen noch eine Testrunde gefahren. Susan mußte als zusätzlicher Balast herhalten (Hmmmm... Eine Aussage, bei der Frauen ja sensibel sind. Ach. Politisch korrekt war ich ja eh noch nie...) Und wir sind dann zum "Mirador" hoch.
Naja. Theoretisch.
Praktisch war die Straße unheimlich steil - und vorallem steinig. Was dazu führte, daß mein Hinterreifen keinen Grip mehr fand. Und ich auf halbem Wege feststeckte und nicht mehr weiter hinauf fahren konnte. Mir entgegenkommend im Sekundentakt irgendwelche Motorrad-Taxis, die hier so verbreitet sind. (Es gibt hier übrigens keine Helmpflicht - deswegen kann man auch so ohne weiteres auf ein Motorrad zur Mitfahrt aufspringen) Und hinter mir ein Geländewagen, der mich verfolgte.
Tja. Und wie ich da so festhing, stellte es sich heraus, daß Georg - ein Schweizer - der Inhaber des Hotels da oben, im Geländewagen saß. Und mich schon kannte!
Tja. Mein Ruf eilt mir wieder mal voraus. (Natürlich der gute... :-P )
Irgendjemand hat ihm schon mir erzählt. Naja. Oder eigentlich eher von meinen ganzen Pannen.
Anyway. Auf jeden Fall kannte er mich schon.
Und mein Ehrgeiz war dann aber geweckt. Klarerweise ging´s mit ein bisserl Ehrgeiz ohne Probleme dann hoch. (Sprich kurz einmal den Gashahn etwas beherzter angepackt)

Sodale. Morgen geht´s dann endlich Richtung Peru weiter. Im Moment tendiere ich dazu wieder nach Süden Richtung La Paz zurückzufahren und dann in der Nähe von La Paz nach Peru zu queren. Die ganzen Straße nach Norden hoch sollen eher in ziemlich schlechtem Zustand sein.
Und am 24. September läuft mein 3-Monats-Visum für Bolivien aus. Und man kann nur einmal im Jahr so ein Touristenvisum beantragen. Die einzige Verlängerung wäre die Beantragung eines Arbeitsvisums - gültig zwar für 30 Tage. Aber kostet dann immerhin 85 USD und kann nur in Konsulaten ausserhalb Boliviens beantragt werden.
Nachdem aber mein nächstes Ziel ein Treffen mit ein paar lieben Freunden in Ecuador ist und ich dafür Mr Churchill irgendwo abstellen muß - damit ich dann mit dem Bus nach Quito hochfahren kann - möchte ich da aber kein Risiko eingehen. Nicht, daß MrC also in Bolivien geparkt ist - ich aber dann eben dieses Jahr nicht mehr ins Land einreisen darf, weil dieses Arbeitsvisum aus irgendeinem Grund dann doch nicht mehr ausgestellt wird. Ich habe da schon zuviel Erfahrung mit der "Papelería" in Südamerika... :-)
Ab genau eben dem 24. September sollte ich eigentlich in Ecuador sein. Tja.
Mal schauen, was mich diesbezüglich noch erwartet...

Freitag, 16. September 2011

Eureka. Er fährt. Naja. Startet. Zumindest

Welch Tag heute. Ein Meilenstein. Ich habe es dann letztendlich geschafft, den Anlasser von MrC wieder zum Laufen zu bringen. Dafür, daß ich mich in die ganze Thematik erst von Scratch einlesen mußte...

Aber eine andere Sache möchte ich noch ansprechen. Nämlich die ganzen Leute, die mich bei dem ganzen verrücktem Unterfangen hier so toll unterstützen. Muß ich schon sagen – vor der Reise dachte ich mir nicht, daß ich eben genau durch die Reise so viele tolle Leute kennen lerne.
Wie zum Beispiel Gerd. Jemanden, den ich noch nie im Leben persönlich getroffen habe. Und der mich aber in unheimlicher Weise unterstützt.
Für solche Leute lohnt es sich solche Reisen zu machen.
Finde ich großartig.

Und ich kann jetzt gar nicht jeden aufzählen, der mir auf die schnelle gerade noch einfällt: Leute, die mir anbieten, dann Ersatzteile persönlich vorbei zu bringen. Oder Freunde, die einem eben Mal 20kg an Motorradteilen nach Südamerika mitnehmen. Oder die Familie, die zu Hause alles „schupft", während ich mich herumtreibe. Oder Freunde, die einfach für einen da sind. Oder andere Biker, die mir hier in Südamerika helfen. Oder... Ach. Die Liste ist so lang.
Ich bin Euch Allen wirklich dankbar für das Alles. Mußte echt mal gesagt werden.


From: Dr. Philipe Reinisch [mailto:xxxxxxx]
Sent: Freitag, 16. September 2011 18:57
To: ´xxxxx'
Cc: '"xxxxx"'
Subject: RE: Anlasser werden überbewertet

Hi Gerd,
Ach, Du bist ein Schatz wie immer!!! Vielen herzlichen Dank – und insbesonders für deine beruhigenden Worte mit dem Getriebe!

Mittlerweile gewöhne ich mich ja schon am Herumschrauben in irgendwelchen Hinterhöfen. Ich würde beinahe sagen, daß mir das beinahe schon Spaß macht!... :-)
Die gute Nachricht des heutigen Tages: Ich habe gestern einen Meilenstein in meiner KFZ-Meisterprüfung gemacht. Es hat sich herausgestellt, daß sowohl 100GS als auch /6 Komponenten in der Elektrik verbaut sind. Mit der Hilfe dann der /6 Schaltpläne habe ich den Anlasser-Schalter am Griff als Störenfried identifiziert – und mittlerweile schon überbrückt mit einem herausgeführtem externem Schalter. Den habe ich dann in meinem „Sicherungskasten" wo alle Sicherungen herausgeführt sind hinein gebaut. Ist zwar nicht mehr rasch im Zu"Griff" am Griff – schaut aber optisch schön aus. Ist ja auch was wert... :-))))
Heute ist MrC dann ganz brav gelaufen! (Naja – ausgenommen ganz am Anfang, wo ich die Schwimmerkammer geflutet habe – da hat die rechte Korkdichtung des Vergasers wie verrückt geleckt. Nach erneut Aufstecken des Schwimmerkammergehäuses war´s dann aber dicht. Und das ganze war aber ziemlich hilfreich – ich habe mir nämlich das Biotop in meiner Schwimmerkammer mal näher angeschaut. Ich hätte mir nie gedacht, daß man dort so viel braue Brühe haben kann. Die Reinigung der Schwimmerkammer war schon längst überfällig!)
Interessant ist aber, daß anscheinend der Anschluß 50 (blau-gelbes Kabel) meines Starterschalters DIREKT zum Anlasser führt. Und der Anschluß 85 (braun-gelbes Kabel) ist mit diversen Verbrauchern wie zum Beispiel Griffheizung etc. DIREKT parallel geschalten. Sprich ich habe KEIN Starterrelais, wie ich es derzeit verstehe.
Wenn ich in einer größeren Stadt bin, muß ich mir mal selber die ganze Verkabelung intensiv zur Brust nehmen und das noch mal analysieren – ich hoffe, daß ich mich da irre. Und das Auslagern solcher Themen an Mechaniker ist ja hier immer ein Glückspiel – wenn man Glück hat werden gerade mal 80% der gewünschten Sachen erledigt. Tja. Und wenn man Pech hat kommen neue Probleme dazu. Das Spielchen kenne ich hier ja schon zur Genüge... ;-)
(Und frag jetzt bitte nicht, warum die Gewindestange meiner Hinterradbremse geschweißt wurde – ohne z.B. das Gewinde nachzuschneiden. Anyway. Technische Details...)
Aber das fehlende Startrelais würde zumindest erklären, warum mein Schalter eingegangen ist. Und ich denke, daß der neue Schalter zumindest mal bis zur nächsten größeren Stadt hält, wo ich gegebenenfalls dann etwaige Ersatzteile / notwendige Komponenten auftreiben kann.
Ich habe jetzt mal die Hoffnung, daß ich zumindest für die nächste Zeit keinen neuen Anlasser brauche. (Und eine Sache muß man xxxxxxxx zu Gute halten – er hat die Kohlen festgeschraubt. Es ist also nicht zu erwarten, daß die mal abfallen, was ja das bekannte Problem von Valeo Anlassern ist)

Ach – übrigens herzlichen Dank für Dein geniales Dokument wieder mal!! Hat mir sehr geholfen, die ganze Thematik um Anlasser und deren Schaltungen zu verstehen!  [Ich habe übrigens gestern auch begonnen ein MrC-Manual zu erstellen mit allen Erkenntnissen und Tipps zu seiner Handhabe. Hat schon 10 Seiten – innerhalb eines Tages finde ich das gar nicht mal so schlecht... ]
Tja. Und wegen Auszeit verlängern... Hmmmm... Gute Frage. Aber irgendwie hatte ich beschlossen bis Ende November zu verlängern. Und so wie es derzeit ausschaut könnte es aber noch länger werden. Irgendwie habe ich gerade mal 18.000km in 10 Monaten zurückgelegt. Das finde ich einfach zu wenig um schon wieder zurück zu kommen. Ich denke, da warten doch noch ein paar gute Stories auf mich. Das kann ich doch nicht auslassen, oder?.... :-)
Und ein bisserl Ehrgeiz ist dank Deiner aufmunternden Worte in El Bolson damals dann doch entstanden. Aufgeben tut man letztendlich einen Brief. Also mal schauen, wie lang es noch geht...

xxxxxxx hat übrigens heute auch einen Kommentar auf meinem Blog hinterlassen. 
Er hat Recht mit den Bedenken bezüglich der Wasserkühlung. Es war definitiv nicht das Beste für den Motor – ich war mir dessen leider eh voll bewußt. Aber in der Situation, in der ich war, hatte ich die Alternative ein vollbeladenes Gespann mit einer leeren Batterie im Schlamm anzuschieben. War nicht sonderlich prickelnd der Gedanke. 
Wenigstens war das Wasser so ca. 30 Grad warm und ich war recht vorsichtig beim Drübergießen. Ich hoffe jetzt mal, daß der Zylinder da nicht nachhaltig geschädigt wurde... Ach. Die Zeit wird´s zeigen.

Ich danke Dir / Euch vielmals für Deine / Eure ganze Unterstützung bei dem ganzen hier! Ich hoffe, ich kann mich irgendwann einmal da revanchieren!!
Ganz liebe Grüße aus Rurrenabaque,
Philipe



From: Gerd xxxxxx [mailto:xxxxxxxx]
Sent: Freitag, 16.
September 2011 16:44
To: 'Dr. Philipe Reinisch'
Cc: '"xxxxxxxxxxx"'
Subject: AW: Anlasser werden überbewertet

Hallo Philipe!

sorry für die Verzögerung!

Also wegen dem Anlasser: klar gibt es verschiedene Bauformen. Ich würde einen kompletten neuen empfehlen.
Ich habe selbst einmal einen echten Schrott von xxxxx gehabt, dieser hier sieht besser aus:

www.alanko.de - Suchen über OE-Nummer = 12419062425 ==> Artikelnummer 440493 = 88€

Gebraucht passen die von allen möglichen Autos. Wichtig ist die Drehrichtung (die man nicht ändern kann, DAMHIK). Die 1100er drehen anders rum!
Übrigens, um genau zu sein - die Kompatibilitätsliste bezieht sich v.a. auf das Magnetgehäuse, denn dies war nicht immer einzeln erhältlich oder nur für irres Geld. Die Autoanlasser als ganzes passen vermutlich nicht "plug&play", v.a. die "Glocke" dürfte anders gestaltet sein. Vermutlich sind jedoch auch andere Innereien der Autoanlasser verwendbar, wie z.B. das Planetengetriebe und vermutlich (wegen gleichem Drehsinn, der durch das Magnetgehäuse definiert wird!) auch der Freilauf. 

Getriebe: s.u, im Text drin.

Sag mal was Generelles: wolltest Du nicht schon längst wieder Deinen warmen & bequemen Bürojob hier angetreten haben...? Auszeit verlängert...?

@Chris: Ergänzungen?

LG, Gerd


Von: Dr. Philipe Reinisch [mailto:mail@reinisch.name]
Gesendet: Dienstag, 13. September 2011 05:08
An: Gerd xxxxxxxxxx
Betreff: Anlasser werden überbewertet
Lieber Gerd,
Sodale. Bin grad wieder aus der Wildnis retour. Mit ein paar Erfahrungen reicher. Und einem Anlasser ärmer...   ;-)
Letzterer hat heute den Dienst vollkommen aufgegeben. Das Spannende ist, ich muß bis zum 24. September aus Bolivien draussen sein, weil mein Visum ausläuft...
Ach. Technische Details...
Die gute Nachricht: eine Freundin kommt am 26.Sept. nach Ecuador und ich hoffe da ein paar Ersatzteile mit über den Teich zu bekommen.
Nachdem die Zeit da recht knapp ist, darf ich Dich da wieder mit ein paar Fragen quälen? Ich werde morgen wieder beginnen mich mit den Eingeweiden von MrC auseinander zu setzen und den Anlasser mal selber auseinander nehmen.  ;-)

Der wurde zwar schon in Mendoza von einem Profi zerlegt und sogar der Magentschalter ausgetauscht – es traten die typischen Magnetschalter Symptome auf - aber meine Symptome damals blieben auch nach dem Tausch!: ich hörte nur ein Klick von unten – wie von einem Relais, welches zieht – aber der Anlasser / der Motor drehte nicht.
Am Anfang trat dieses Klicken nur gelegentlich auf – nach ein paar Mal drücken des Starterschalters, sprang der Motor dann aber an. Dann stellte ich fest, daß ich das Licht und die Heizgriffe ausschalten mußte und es dann immer klappte.
Aber über die Zeit trat dieses Klicken ohne Motordrehen immer häufiger auf, bis es Überhand nahm. (Und auch auftrat wenn ich das Licht / Heizgriffe abgeschalten hatte)
Die letzten Tage kam nur noch das Klicken und ich schaffte es nie den Motor zum Drehen zu bewegen. Mein Workaround dann: mittels Kickstarter den Motor in Bewegung bringen und gleichzeitig mit Hilfe des Anlassers dann den Motor starten.
Tja. Und heute merkte ich, daß das Klicken deutlich schwächer wat. Und dann am Ende sogar ganz weg war. Was bedeutete: nur noch durch Anschieben von MrC konnte ich den Motor dann starten...
Das ganze wirkte mir so, als hätte der Anlasser nicht genug Kraft um den Motor in Bewegung zu setzen. Ich werde mir morgen mal genauer anschauen, ob wirklich 12V am Anlasser ankommen oder ob durch irgendwelche schlechten Kontakte wesentlich weniger Spannung anliegt.

Aber jetzt meine Frage: ich bin am überlegen mir da eine neue Anlassereinheit von dieser Freundin mitnehmen zu lassen. Gibt es da verschiedene Bauformen? Oder weißt Du gibt es da irgendetwas, worauf ich da beim Kauf achten muß? Hast Du einen Tipp, wo ich einen (gebrauchten?) Anlasser günstig auftreiben kann?

Ach. Und wenn ich den Fachmann anschreibe... Darf ich Dich noch was fragen? Mein Popometer sagt mir, daß mein Getriebe auch schon etwas älter wird. Ich komme relativ häufiger in Zwischengänge hinein, was mir irgendwie früher nicht so oft passiert ist.
[GO] naja, vielleicht die Schaltmechanik...? Solange die Gänge drinbleiben und nicht rausspringen, geht's noch (Überdrehen droht).
  (Vielleicht bin ich durch meine Probleme mit dem Endantrieb da übersensibilisiert... Hmmmm... Oder umgekehrt – vielleicht hat mein großes Spiel im Endantrieb auf mein Getriebe durchgeschlagen...? Könnte das eigentlich sein?) [GO] nein, das ist nicht zu erwarten. 
Weißt Du, gibt´s da irgendeinen schnellen Trick um den Zustand des Getriebes zu überprüfen? Oder ist die Lösung einfach nur nach Handbuch Getriebe öffnen und Zustand der Zahnräder visuell überprüfen?[GO] die Zahnräder vermutlich weniger, eher die Schaltkinematik.
Nimm gutes Öl: Castrol 85W-140 Synth. - wenn du das kriegen kannst. 

Sodale. Ich werde mich jetzt auch Richtung Morpheus werfen. Mein Blogupdate fällt heute aus – aber da gäbe es heute auch wieder ein paar nette Geschichten... Aber morgen ist ja auch noch ein Tag.
Ganz liebe Grüße gerade aus Rurrenabaque,
Philipe

Donnerstag, 15. September 2011

Wissen ist Macht...

...Naja. Auf der anderen Seite: Nix wissen macht auch nix. Oder?
Auf jeden Fall habe ich beschlossen eine Ausbildung zum KFZ-Elektriker zu machen.
Ich gebe ja zu. Hier und da habe ich durchaus unorthodoxe Herangehensweisen. Zum Beispiel beginne ich meine Ausbildung gleich mit der Meisterprüfung.

Vorgestern habe ich also im Garten des Hostals meine Plane ausgebreitet und meinen kleinen Workshop eröffnet: den Anlasser aus MrC ausgebaut und zu Feli - dem Mechaniker hier in Rurrenabaque, den mir Ronny empfohlen hat -  gebracht. Dieser hat ihn dann vollständig auseinander genommen...
Naja. Aber leider nicht zusammengebaut.
...Dieses hat er seinem Mitarbeiter überlassen. Welcher dann feinfühlig mit einem 2mm dicken und 1,5cm breiten Schraubenzieher versucht hat diverse 1mm dicke Plastikstücke in meinem Anlasser zu hebeln.
Am Ende seiner Versuche hatte der Anlasser mehr Teile als der Konstrukteur des Anlassers in der Teileliste vorgesehen hatte. Nun ja technische Details könnte man sagen.
Nur leider bin ich mittlerweile ein kleines Sensibelchen, was meinen MrC angeht. Dementsprechnd bin ich dann mit Argusaugen neben diesem Grob-"Motor"-iker gestanden und habe ihm erklärt, welche Werkzeuge er wie zu verwenden hat. Nach dem Motto: „Sprach der Einäugige zu dem Blinden".
Es gibt ja Theorien, welche besagen, daß das menschliche Herz nur für eine bestimmte Anzahl an Herzschlägen ausgelegt ist. Diese Aktion hat mich wahrscheinlich wieder einige Lebensjahre gekostet.
Nun ja. Auf jeden Fall haben mich die Leute dort mit einem „Tigre" überrascht – das spanische Wort für Tiger.
Mit Katzen kenne ich mich ja aus. Hier und da habe ich ja auch einen Kater. Und ich führe auch einen „El Gato" mit – Spanisch Umgangssprachlich für Wagenheber. Aber wie sie mir erzählten, daß Feli einen Tigre hat, habe ich ein bisserl an meinen Spanischkenntnissen gezweifelt.
...Aber: Er hatte wirklich einen. So kurz einmal herumstreunend im Haus. Was man halt so hat, wenn man in Bolivien lebt.
Er hat die Katze im Dschungel gefunden und dann einfach mit nach Hause genommen.
Nun ja. Warum nicht. Manche Leute haben ja auch Alligatoren in der Badewanne. Also was soll´s...

Die gute Nachricht – das kreischende Geräusch des Anlassers ist nun weg. Warum der Anlasser aber noch nie im Leben auch nur eine Spur Fett gesehen hat – weder bei der angeblichen Überholung von Reter Pömer * [* Name von der Redaktion geändert] noch bei der Überholung in Mendoza durch dem von ihm empfohlenen Mechaniker Carlos, verstehe ich nicht ganz. Naja. Muß ich auch nicht. Metallteile können ja auch trocken auf einander laufen.
Tja. Die schlechte Nachricht. Das ganze funktioniert trotzdem nicht. So wie ich es derzeit verstehe ist der Starterschalter defekt.
Hmmm... Und ich hoffe ich irre mich dabei – aber so wie es ausschaut, habe ich nämlich kein Starterrelais. Das heißt bei jedem Starten laufen da unter Umständen hunderte Ampere direkt über diesen armen Schalter. Kein Wunder, daß der das nicht lange aushält.
Mal schauen. Es ist gerade kurz vor 14:00 – nach der Mittagshitze werde ich mal versuchen einen Ersatzschalter einzubauen und zu schauen, ob der Anlasser dann generell funktioniert. Und erst danach werde ich mir ein Relais dazwischen basteln.
Die Teile dafür habe ich schon: am Vormittag war ich shoppen: ein Relais (40 Bol. – dividiert durch 10 in Euros: 4€), ein Schalter (65 Bol), 2m 2,5mm-Kabel (4 Bol pro Meter) und 8 Stecker (a 2 Bolivianos). Und als Überlebenshilfe – eine frische, gekühlte Kokusnuß mit Strohhalm a 4 Bolivianos.
Und ich hatte bei dem ganzen Thema eine ziemliche Lernkurve. Es hat sich nämlich herausgestellt, daß MrC einen BMW R100GS Motor eingebaut hat.
Das habe ich an Hand der Motornummer verifiziert.
...aber die verlegte Elektrik entspricht einer BMW R90/6. Kein Wunder also, daß ich mich mit dem Schaltplan der 100GS so schwer zurechtgefunden habe. Ach. Diese technischen Feinheiten.

Sodale. Aber jetzt einmal ein paar Minuten endlich nichts tun, so wie es sich gehören würde – in der Hängematte gerade. Am Balkon meines Hotels. Nur die Natur um mich. Naja. Und ein paar vorbeifahrende Mopeds. Ein oder zwei hundert.